Autorinnen und Autoren, Exilliteratur - Bücherverbrennung
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Exilliteratur im Nationalsozialismus

Deutschsprachige Exilliteratur

Klaus Mann in seiner Autobiografie „Der Wendepunkt“ über Exilliteratur bzw. der Situation der ExilautorInnen.

„Wir konnten nicht zurück. Der Ekel hätte uns getötet, der Ekel an der eigenen Erbärmlichkeit und an dem widrigen Treiben um uns herum. Die Luft im dritten Reich war für gewisse Lungen nicht zu atmen.(…)
Das Konzentrationslager oder die Gleichschaltung, keine dritte Möglichkeit schien sich uns ›drinnen‹ zu bieten. ›Draußen‹ gab es einiges zu tun, auch im Dienst und Interesse jenes ›besseren Deutschland‹, an das wir den Glauben nicht verlieren wollten.“

Exilliteratur und Bücherverbrennung

Exilliteratur - Cover der Erstausgabe von Anna Seghers: Das siebte Kreuz

Seghers, Anna: Das siebte Kreuz. Mexiko: El Libro Libre 1942.

Verschleppt, erschlagen, vergast, in den Selbstmord getrieben. Die „Glücklicheren“ konnten durch Flucht ihr „nacktes“ Leben retten und einige wenige blieben und verstummten.

Zahlreiche SchriftstellerInnen gingen ab 1933 nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten und den Bücherverbrennungen ins Exil.

Wurden 1933 im Deutschen Reich vor allem die Werke von linken, pazifistischen und jüdischen AutorInnen vernichtet bzw. auf die schwarzen Listen des Bibliothekars Wolfgang Herrmann gesetzt, so konnten die Nationalsozialisten 1938 bei der Bücherverbrennung in Salzburg – nicht zuletzt dank entsprechender Vorarbeit durch die Austrofaschisten – den Schwerpunkt gleich auf das Schrifttum aus dem katholischen, austrofaschistischen und legitimistischen Bereich legen.

Viele AutorInnen ließen sich vorerst in europäischen Nachbarländern wie der Tschechoslowakei, Österreich, Frankreich oder der Schweiz nieder. Nach der Annexion Österreichs durch das „Dritte Reich“ und der Besetzung der Tschechoslowakei und Frankreichs flohen viele der Exilanten weiter nach England oder Übersee. So verschlug es beispielsweise Klara Blum nach China, Bertolt Brecht über Dänemark und Schweden in die USA, Willi Bredel in die Sowjetunion, Else Lasker-Schüler nach Palästina, Anna Shegers nach Mexiko und Stefan Zweig nach Brasilien.

Die Flüchtlinge waren von ihren kulturellen Wurzeln abgeschnitten und ihre finanziellen Verhältnisse waren oftmals prekär. Einige wenig von ihnen wie Vicky Baum oder Stefan Zweig waren im Exil finanziell abgesichert und konnten so Freunde und Kollegen unterstützen.

Nach der Befreiung vom Faschismus waren die ExilautorInnen in ihrer Heimat oftmals nicht willkommen. In der Zeit des aufkeimenden „Wirtschaftswunders“ nach 1945 wurde die Erinnerung an die zwölf Jahre des „Tausendjährigen Reiches“ möglichst rasch verdrängt. Die Werke des Exils stießen meist auf geringes Interesse, sie waren aus der Zeit gefallen.

Um die Erinnerung zu beleben und wachzuhalten stellen wir 20 Autorinnen und Autoren des Exils im Wiener Bücherschmaus vor.

Exilliteratur und ihre AutorInnen – eine Auswahl

Unterhalb der folgenden Namensliste finden Sie jeweils ein kurzes biografisches Schnipsel zur Person. An dessen Ende führt Sie jeweils ein Link zu einem ausführlichen Beitrag.

  • Exilliteratur: AutorInnen von Albert Drach bis Maria Leitner
    • Albert Drach
    • Alexander Moritz Frey
    • Erich Fried
    • Oskar Maria Graf
    • Lili Grün
    • Mela Hartwig
    • Erich Kästner
    • Irmgard Keun
    • Klabund
    • Maria Leitner
  • Exilliteratur: AutorInnen von Erich Mühsam bis Stefan Zweig
    • Erich Mühsam
    • Max Herrmann-Neiße
    • Joachim Ringelnatz
    • Felix Salten
    • Lisa Tetzner und Kurt Held
    • Kurt Tucholsky
    • Alex Wedding
    • Armin T. Wegner
    • Martina Wied
    • Stefan Zweig

    AutorInnen von Albert Drach bis Maria Leitner

    Albert Drach (1902 bis 1995)
    „Im katholischen Glauben“
    1942 beginnen die Deportation ausländischer und französischer Jüdinnen und Juden aus der Südzone Frankreichs in die Vernichtungslager in Osteuropa beginnt. Albert Drach wird verhaftet und ins Camp de Rivesaltes gebracht. Dort legt er seinen Heimatschein vor und übersetzt die Abkürzung IKG auf dem Dokument nicht als Israelitische Kultusgemeinde, sondern mit „Im katholischen Glauben“.

    Aus der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Albert Drach

    Alexander Moritz Frey (1881 bis 1957)
    Im Kofferraum über die Grenze nach Österreich.
    Am 15. März 1933, nur wenige Wochen nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, wird ein Haftbefehl gegen Alexander Moritz Frey erlassen und gleichzeitig verwüstet die SA seine Wohnung in München. Glücklicherweise befindet er sich zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause. Sein Freund Alfred Neumann bringt ihn noch am selben Tag im Kofferraum seines Autos über die Grenze nach Österreich.

    Aus der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Alexander Moritz Frey

    Erich Fried (1921 bis 1981)
    Nicht „nur“ ein großer Lyriker
    In Wien geboren, rettet sich Erich Fried als Siebzehnjähriger nach der Auslöschung Österreichs und der Tötung des Vaters durch die NS-Schergen als junger Mann nach England.

    Von seinen Büchern, insbesondere jenen über die Liebe, wurden bisher weit über eine Million Exemplare verkauft. Sein politisches Engagement, sein Anschreiben gegen Krieg und Unterdrückung erhält heute vergleichsweise weniger Aufmerksamkeit. Letztlich hat aber auch seine Liebeslyrik, indem sie in einer durch und durch monetarisierten Gesellschaft dazu aufruft, den Menschen wahrzunehmen und ihn in seiner Individualität zu akzeptieren, einen eminent politischen Charakter.

    Aus der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Erich Fried

    Oskar Maria Graf (1894 bis 1967)
    „Verbrennt mich“
    Zum großen Entsetzen von Oskar Maria Graf findet er sich mit fast all seinen Werken auf der sogenannten „Weißen Liste“ und damit unter den von den NationalsozialistInnen empfohlenen AutorInnen.
    Am 12. Mai 1933 fordert Oskar Maria Graf in der von Viktor Adler gegründeten Arbeiterzeitung, dem Zentralorgan der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs „Verbrennt mich“.

    Aus der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Oskar Maria Graf

    Lili Grün (1904 bis 1942)
    Dem Vergessen entrissen
    Lili Grün wird am 27. Mai 1942 mit 981 weiten österreichischen Jüdinnen und Juden deportiert und am 1. Juni 1942 im weißrussischen Vernichtungslager Maly Trostinec ermordet.

    Hilde Spiel meint Jahrzehnte nach dem Ende des Dritten Reiches über Lili Grün: „… ein rührendes Mädchen, das mit seinem zarten Roman ‚Herz über Bord‘ zum ersten Mal in dem fatalen Jahr 1933 hervortrat. Ihre Lebensgeschichte bliebe im Dunkeln, und sie wäre vom Erdboden weggewischt, als hätte es sie nie gegeben, würde ihrer hier nicht Erwähnung getan.“ Hilde Spiel, Die zeitgenössische Literatur Österreichs, 1976.

    Nähere Infos in der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Lili Grün

    Mela Hartwig (1893 bis 1963)
    Eine Autorin die polarisiert
    1928 erscheint ihre Novellensammlung „Ekstasen“ im Paul Zsolnay Verlag. Darin schreibt Mela Hartwig über Frauen in Extremsituationen und scheut dabei auch nicht vor Tabuthemen wie Vergewaltigung, Abtreibung und Inzest zurück.

    Im März 1938 emigrierten Mela Hartwig und ihr Mann nach London. (…) Nach zehn Jahren Exil in Großbritannien sieht das Ehepaar Hartwig / Spira die alte Heimat erstmals wieder und erkennt, im Nachkriegsösterreich nicht willkommen zu sein.

    Nähere Infos in der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Mela Hartwig

    Erich Kästner (1899 bis 1974)
    Ein Autor in der „Inneren Emigration“
    Erich Kästner wird 1899 geboren. Sein Vater ist Sattlermeister, der nach dem Bankrott seines Geschäfts in einer Kofferfabrik in Dresden arbeitet. Weil das Geld nicht reicht, stellt die Mutter in Heimarbeit Leibbinden her.

    Zwischen Mutter und Sohn besteht eine enge Bindung. Als Erich Kästner nicht mehr in Dresden lebt, werden sie über viele Jahre nahezu täglich Briefe und Karten austauschen. Vorerst tut sie alles, um ihren Sohn eine fundierte Ausbildung zu sichern: „Ihr Leben galt mit jedem Atemzug mir, nur mir“ schreibt er in seinen Erinnerungen.

    Nähere Infos in der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Erich Kästner

    Irmgard Keun (1905 bis 1982)
    „Mich macht das gottverfluchte Regime krank …“
    Wegen des Verbotes ihrer Bücher meldet Irmgard Keun Ende 1935 Schadenersatzansprüche beim Landgericht Berlin an. Die Antwort des NS-Staates wird ihr in Form von Verhaftung und Verhören präsentiert. Irmgard Keun kommt frei und flieht. Ihr Mann bleibt und arrangiert sich mit dem Regime.

    Nähere Infos in der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Irmgard Keun

    Klabund – Hermann Henschke (1890 bis 1928)
    „Der Klabund ist ein überaus buntfarbiger Kugelkäfer …“
    An der Legendenbildung um seinen Namen arbeitete Klabund eifrig mit, so schreibt er: „Den Namen Klabund schuf ich eines Tages in ernsthaft selbstparodischer Laune, gab ihm aber so viel von meinem Blute, dass er neben und über mir zu leben begann und ganz zum Spiegel meiner Kunst und Weltanschauung wurde… Klabund entstand aus Klabautermann – das ist jenes närrische Meergespenst, das den Schiffern in nebligen Näch­ten Unheil kündend erscheint – und aus Vagabund.

    Als sogenannte Asphaltliteratur werden seine Bücher ab 1933 von den Nationalsozialisten auf die „Schwarze Liste“ gesetzt und verbrannt.

    Nähere Infos in der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Klabund

    Maria Leitner (1892 bis 1942)
    Danach verliert sich vorerst ihre Spur
    Auf der schwarzen Liste des nationalsozialistischen Bibliothekars Wolfgang Herrmann befindlich, wird das literarische Schaffen von Maria Leitner 1933 verbrannt. Sie muss untertauchen und kommt als Emigrantin über Prag nach Paris. Mehrfach kehrt diese mutige Frau inkognito ins Deutsche Reich zurück und berichtet anschließend, wie sich das Land zum Krieg rüstet.
    Anfang 1942 wird Maria Leitner ein letztes Mal, verzweifelt und krank, im Büro des American Rescue Committee in Marseille gesehen. Danach verliert sich vorerst ihre Spur.

    Nähere Infos in der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Maria Leitner

    Erich Mühsam bis Stefan Zweig

    Erich Mühsam (1878-1934)
    „Fang das Wort auf und fülle dein ganzes Herz damit an, und dann gib es weiter an die Menschen. Das Wort heißt Freiheit!“ Erich Mühsam

    Das Schicksal kann den Körper prügeln,
    kann mit Kandare, Sporen, Bügeln,
    den Fuß, die Hand, die Stimme zügeln.
    Der Geist steigt auf mit freien Flügeln
    und lacht ins Tal von Wolkenhügeln.

    Joseph Goebbels spricht das Todesurteil über den Publizisten, Schriftsteller und Anarchisten Erich Mühsam. „Dieses rote Judenaas muss krepieren!“ Nach einem viele Monate dauernden Martyrium wird Erich Mühsam in der Nacht vom 9. auf den 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg von der SS ermordet.

    Aus der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Erich Mühsam

    Max Herrmann-Neiße (1886 bis 1941)
    „Bitter ist es, das Brot der Fremde zu essen, …“
    Einem Freund schreibt Max Herrmann-Neiße: „Ich könnte ja auch ein anerkannter deutscher Lyriker jetzt werden, mit meiner Naturlyrik und meiner uralten schlesischen Bauernahnenreihe, aber ich brächte es nicht über mich, auch nur stillschweigend mich fördern zu lassen von einem System, das für mich das wahrhaft teuflischste ist.“

    Kurz nach dem Reichstagsbrand 1933 verlässt Max Herrmann-Neiße gemeinsam mit seiner Frau Deutschland und emigriert über die Schweiz, Holland und Frankreich nach London. (…) Litanei der Bitternis: Bitter ist es, das Brot der Fremde zu essen, bittrer noch das Gnadenbrot, und dem Nächsten eine Last zu sein. Meine bessren Jahre kann ich nicht vergessen; doch nun sind sie tot, und getrunken ist der letzte Wein.

    Nähere Infos in der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Max Herrmann-Neiße

    Joachim Ringelnatz (1883 bis 1934)
    Ein Gerippe zwischen Zigarrenkisten
    Neben seinem literarischen Werk malt Joachim Ringelnatz in den 20er-Jahren zahlreiche Bilder. … und gründet das Tabakhaus „Zum Hausdichter“. Das Schaufenster dekoriert er mit einem Gerippe zwischen Zigarrenkisten und Zigarettenschachteln. Ein Reklameschild wirbt mit folgenden Worten: „Damen und Herren werden auf Wunsch gegen Bezahlung angedichtet … Es grüßt der Hausdichter!“. Das Tabakgeschäft schließt mangels Erfolg nach wenigen Monaten.

    1933 setzen die Nationalsozialisten seine Bücher auf die „Schwarze Liste“, Ringelnatz erhält Bühnenverbot.

    Nähere Infos in der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Joachim Ringelnatz

    Felix Salten: (1860 bis 1945)
    Mehr als Bambi und Mutzenbacher
    Die Erinnerung an das schriftstellerische Schaffen von Felix Salten ist in der Öffentlichkeit bis heute mit zwei sehr unterschiedlichen Büchern verknüpft: Mit dem pornografischen Roman „Josefine Mutzenbacher“. Und mit dem 1923 veröffentlichten Kinderbuch „Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde“.

    Ab 1935 stehen die Werke von Felix Salten auf den von den Nationalsozialisten zusammengestellten Listen des „schädlichen und unerwünschten Schrifttums“. Nach dem „Anschluss“ Österreichs kann Felix Salten 1939 mit seiner Frau zu seiner Tochter in die Schweiz ausreisen.

    Nähere Infos in der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Felix Salten

    Lisa Tetzner und Kurt Held
    Sie verfassten unter anderem Die Kinder aus Nr. 67, Die rote Zora und die Schwarzen Brüder
    An das erste Zusammentreffen mit Kurt Kläber (Pseudonym Kurt Held), den Lisa Tetzner 1924 heiratet und mit dem sie bis zu seinem Tod 1959 zusammenlebt, erinnert sie sich folgendermaßen:

    Es war im Jahr 1919. Ich wanderte Märchen erzählend durch den Thüringer Wald. In einer kleinen Stadt, Lauscha, dem Mittelpunkt der Glasbläser, traf ich eine laute Kirchweih (…) Besonders eine Bude fesselte sofort meinen erstaunten Blick. Davor stand ein junger Bursche mit dichtem, braunem, ziemlich struppigem – oder sagen wir offen – liederlichem Haar. Es fiel ihm bei jeder Bewegung über Augen und Nase und wurde dann mit kühner Kopfbewegung nach rückwärts geworfen. Er trug nach damaliger Wandervogelart einen rostbraunen Leinenkittel mit dem freideutschen Jugendabzeichen, kniefreie schwarze Manchesterhosen, nackte Beine und Sandalen, sogenannte Jesuslatschen.

    Nähere Infos in der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Lisa Tetzner und Kurt Held

    Kurt Tucholsky (1890 bis 1933)
    Konsequent gegen Krieg und Nationalsozialismus
    Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte, 1912 veröffentlicht, macht den 1890 geborenen Kurt Tucholsky einem größeren Publikum bekannt.
    Er schreibt für die „Weltbühne“ und schöpft dabei für seine inhaltlich breit gefächerten Beiträge aus einem umfangreichen Portfolio an Pseudonymen: Ignaz Wrobel, Theobald Tiger, Peter Panter, Theobald Tiger und Kaspar Hauser.

    In seiner Arbeit als Schriftsteller entsteht unter anderem 1927 „Ein Pyrenäenbuch“, 1929 veröffentlicht er gemeinsam mit John Heartfeeld „Deutschland, Deutschland über alles“ und 1931 Schloß Gripsholm. Kurt Tucholsky stirbt, verursacht durch eine Überdosis Schlaftabletten, am 21. Dezember 1935 in Hindaas in Schweden.

    Nähere Infos in der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Kurt Tucholsky

    Alex Wedding (1905 bis 1966)
    Für den Fortschritt Partei ergreifen
    Alex Wedding ist 28, als ihr zwei Jahre zuvor im Malik-Verlag erschienenes Buch „Ede und Unku“ im Zuge der „Aktion wider den undeutschen Geist“ am 10. Mai 1933 am Opernplatz in Berlin, dem heutigen Bebelplatz, in Flammen aufgeht.

    Über ihre Motivation als Kinderbuchautorin schreibt Alex Wedding: „Als einen der anziehendsten und liebenswertesten Charakterzüge am Menschen schätze ich die Kindlichkeit. Ich liebe sie bei Erwachsenen, und ich liebe sie bei jenen, die sie im höchsten Maß besitzen: bei den Kindern. Deshalb wählte ich gerade sie zu meinen Lesern. Ich wollte ihren Gefühlen, ihren naiven und ernsten Erlebnissen, ihren Wünschen und Wunschträumen, denen sie selbst noch nicht Ausdruck verleihen können, Form geben. Ich wollte ihnen ein wahres Bild des Lebens vermitteln und sie lehren, für die beste Sache der Welt, für den Fortschritt, Partei zu ergreifen.“

    Nähere Infos in der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Alex Wedding

    Armin T. Wegner (1886 bis 1976)
    „Mir geht es gut … meinem Werk nicht!“
    Der expressionistischer Lyriker und späterer Reiseschriftsteller Armin T.Wegner wird als Mitglied der Deutsch-Ottomanischen Sanitätskommission Augenzeuge der Vertreibung und Ermordung des armenischen Volkes. Er protestiert entschlossen, fotografiert die Lager und Massengräber, schreibt zahlreiche Berichte und formuliert einen offenen Brief an Woodrow Wilson, den Präsidenten der USA. Sein Protest verhallt nahezu ungehört.

    Armin T. Wegner fühlt Krieg und Holocaust heraufziehen und kämpft als Autor und Pazifist dagegen an. (…) Er wählt die Form eines offenen Briefes, allerdings traut sich zu diesem Zeitpunkt bereits keine Zeitung mehr, das Schreiben zu veröffentlichen. Was folgt, sind Verhaftung, Folter und KZ. Nachdem Armin T. Wegner freikommt, gelangt er über England und Palästina nach Italien.

    Nähere Infos in der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Armin T. Wegner

    Martina Wied (1882 bis 1957)
    „Gott hat mich in ein fremdes Land geführt“
    Aus einer jüdischen Familie kommend, konvertiert Martina Wied zum Katholizismus. Sie bewegt sich in fortschrittlich-katholischen Kreisen und setzt sich mit dem Marxismus auseinander. Mit Persönlichkeiten wie Karl Kraus, Ludwig von Ficker, Franz Theodor Csokor und Georg Lukács ist sie freundschaftlich verbunden.

    1939 gelingt Martina Wied, sie ist zu diesem Zeitpunkt bereits weit über fünfzig, die Flucht nach Großbritannien.

    „Gott hat mich in ein fremdes Land geführt – Nein, hingesandt, versiegelt und verschnürt – Ganz willenlos. Und alles ist hier fremd: Die Kost, der Trunk, die Luft, das Wort, die Tracht – Und was ich trag‘, geborgt, nichts mein als nur das Hemd
    Am Leib – und noch das Heimweh, das ich mitgebracht.“

    Nähere Infos in der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennung des Wiener Bücherschmaus: Martina Wied

    Stefan Zweig (1881 bis 1942)
    „Ich grüße alle meine Freunde! Mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger, gehe ihnen voraus.“
    Thomas Mann schreibt über Stefan Zweig: Sein Weltruhm war wohlverdient und es ist tragisch, daß die seelische Widerstandskraft dieses hochbegabten Menschen unter dem schweren Druck dieser Zeit zusammengebrochen ist. Was ich am meisten an ihm bewunderte, war die Gabe, historische Epochen und Gestalten psychologisch und künstlerisch lebendig zu machen. Aus dem Nachruf im „Aufbau“, New York, 27. 02. 1942

    Die Gefahr des Nationalsozialismus erkennt Stefan Zweig nicht in ihrer vollen Tragweite, hofft vielmehr, es wird alles rasch vorübergehen.

    So schreibt er im Jänner 1932 an den französischen Literaturnobelpreisträger und Pazifisten Romain Rolland (1866 – 1944): Er „fürchte die Hitler-Anhänger nicht, selbst wenn sie an die Macht kommen“, denn „nach zwei Monaten werden sie sich selbst zerfleischen.“

    Nähere Infos in der Reihe Exilliteratur und Bücherverbrennungg des Wiener Bücherschmaus: Stefan Zweig

    Fotoquelle für das Beitragsbild bzw. das Bild im Beitrag:

    Von H.-P.Haack – Sammlung H.-P.Haack – Antiquariat Dr. Haack Leipzig – Privatbesitz, Erstausgabe von Klaus Manns Roman Mephisto im Querido Verlag, 1936. Namensnennung 3.0 Unported (CC BY 3.0), Wikimedia.

    Creative Commons Namensnennung 3.0 Unported. Quelle: Antiquariat Dr. Haack Leipzig. Urheber: Foto H.-P.Haack (H.-P.Haack). Seghers, Anna: Das siebte Kreuz. Roman aus Hitlerdeutschland. Mexiko [Stadt]: El Libro Libre 1942, 468 Seiten + 3 Seiten Verlagsanzeigen + 1 Seite Druckvermerk. Erstdruck (Wilpert/Gühring). Das Foto darf für wissenschaftliche oder populärwissenschaftliche Publikationen gebührenfrei verwendet werden, sofern der Urheber mit Foto H.-P.Haack vermerkt wird.

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