Kurt Tucholsky – Weihnachten

Großstadt-Weihnachten

Nun senkt sich wieder auf die heim’schen Fluren
die Weihenacht! die Weihenacht!
Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren,
wir kriegens jetzo freundlich dargebracht.

Der Asphalt glitscht. Kann Emil das gebrauchen?
Die Braut kramt schämig in dem Portemonnaie.
Sie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen,
den Aschenbecher aus Emalch glasé.

Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen
auf einen stillen heiligen Grammophon.
Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschen
den Schlips, die Puppe und das Lexikohn.

Und sitzt der wackre Bürger bei den Seinen,
voll Karpfen, still im Stuhl, um halber zehn,
dann ist er mit sich selbst zufrieden und im reinen:
„Ach ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!“

Und frohgelaunt spricht er vom ‚Weihnachtswetter‘,
mag es nun regnen oder mag es schnein.
Jovial und schmauchend liest er seine Morgenblätter,
die trächtig sind von süßen Plauderein.

So trifft denn nur auf eitel Gück hienieden
in dieser Residenz Christkindleins Flug?
Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden …
„Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug.“

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kURT tUCHOLSKY

Kurt Tucholsky 1890 – 1933

Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte, 1912 veröffentlicht, macht den 1890 geborenen Kurt Tucholsky einem größeren Publikum bekannt. 1913 erscheint sein erster Artikel in der Theaterzeitschrift „Die Schaubühne“, die 1918 in „Die Weltbühne“ umbenannt wird. Über den Herausgeber der Wochenzeitschrift schreibt Kurt Tucholsky „Dem im Jahre 1926 verstorbenen Herausgeber des Blattes, Siegfried Jacobsohn, verdankt Tucholsky alles, was er geworden ist.“

Aus dem Ersten Weltkrieg kehrt Tucholsky als überzeugter Antimilitarist zurück. Für die Weltbühne schreibt er nun wieder regelmäßig und schöpft dabei für seine inhaltlich breit gefächerten Beiträge aus einem umfangreichen Portfolio an Pseudonymen: Ignaz Wrobel, Theobald Tiger, Peter Panter, Theobald Tiger und Kaspar Hauser.

Kurt Tucholsky profiliert sich mit seiner journalistischen Arbeit als ein konsequenter und entschlossener Gegner des Nationalsozialismus. Ab 1925 lebt er zunehmend im Ausland.
In seiner Arbeit als Schriftsteller entsteht unter anderem 1927 „Ein Pyrenäenbuch“, 1929 veröffentlicht er gemeinsam mit John Heartfeeld „Deutschland, Deutschland über alles“ und 1931 Schloß Gripsholm.

Die Nationalsozialisten verbieten 1933 Die Weltbühne und der nationalsozialistische Bibliothekar Wolfgang Herrmann setzt Kurt Tucholsky auf die „Schwarze Liste“. Seine Bücher gehen 1933 auf den Scheiterhaufen der Bücherverbrennungen in Flammen auf. Gleichzeitig wird ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.

Kurt Tucholsky stirbt, verursacht durch eine Überdosis Schlaftabletten, am 21. Dezember 1935 in Hindaas in Schweden. Seine Asche wird im Sommer des darauffolgenden Jahres nahe dem Schloss Gripsholm in Mariefred beigesetzt.

Kurt Tucholsky – weiterführende Links:

Kurt Tucholsky – Sammlung von Texten
Kurt Tucholsky Gesellschaft – Textauswahl
Deutsche Lyrik – Kurt Tucholsky

Nähere Informationen zum Thema Bücherverbrennung und Exilliteratur finden Sie im Wiener Bücherschmaus im Beitrag Bücherverbrennung 1933 und auf „80 Jahre Bücherverbrennung in Salzburg“.

Fotoquelle: Kurt Tucholsky in Paris, 1928. Die Aufnahme wurde von Sonja Thomassen, in Norwegen lebende Tochter von Lisa Matthias, zur Veröffentlichung unter GNU-FDL freigegeben.