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Liedermacher/innen Lounge

Der Wiener Bücherschmaus empfiehlt: Liedermacher/innen Lounge

Gemeinsam mit Katie Kern präsentiert Andre Blau Texte, Songs und Talk und vor allem die Gäste des Abends!

WANN: Freitag, 30. Juli 2021
WO: Kulturraum „die werkbank“, Breite Gasse 1, 1070
BEGINN: 19:30 Uhr

Es wird auch gestreamt!

Zugangslink via Instagram und Zugangslink via Facebook.

Nadja Milfait (Musikerin, Liedermacherin – Wien)

… und ihr Cello
Nadjas Cello … 1909 in Wien gebaut, wartete 77 Jahre ungespielt in einem Kasten darauf, von Nadja Milfait 1985 zum Leben erweckt zu werden. Es machte ein Konzertfach-Hochschulstudium in Wien und Graz mit, lernte 1990 die Unterhaltungsmusik kennen, und entwickelte seiterher in zahlreichen Formationen immer neue Techniken am Weg zum Allround-U-Musik-Cello.
Nadjas Cello durfte schon mit vielen namhaften Künstlern musizieren, erklang bisher auf 12 CDs eigener Bands und auf unzähligen Gasteinspielungen und tourte in Deutschland, der Schweiz, Irland, England und sogar 5 Mal in den USA.

Lorenz Karner (Liedermacher – Kärnten)

Auf dem Weg über örtliche Musikkapelle, Kirchenchor und einige Bands ist mir meine Musik in der Gegenwart höchst individuelles Ausdruckmittel der eigenen Stimmungen, Träume und Befindlichkeiten. Es sind Emotionen, Bilder, die mich zum Schreiben eines Liedes animieren, und: Es gibt für jede Lebensstimmung Musik. Als Religionslehrer und praktizierender Christ erlebe ich Musik zudem als Aufrichter, als Voranbringer, als Mutmacher.“

Die KünstlerInnen freuen sich über Ihren Besuch in dem liebenswürdigen und charmanten Kulturraum „die werkbank“ und auf einen entspannten Abend!

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Oskar Maria Graf

Für seine Mutter Resl, geborene Heimrath, ist Oskar Maria Graf das neunte von elf Kindern. Sein Vater ist Bäckermeister in Berg am Starnberger See. Nach dessen frühem Tod erlernt er das Bäckerhandwerk bei seinem tyrannischen älteren Bruder Max. Bücher, die große Leidenschaft von Oskar Maria Graf, muss er sich heimlich über einen Nachbarn besorgen.

Oskar Maria Graf: Aufbruch nach München

1911, er ist gerade einmal siebzehn Jahre alt, flieht er nach München. Dort schlägt sich Oskar Maria Graf mit Gelegenheitsarbeiten durch. In der Münchner Bohème wird er als Erzähler von deftigen Dorfgeschichten zu einem gern gesehenen Gast.

Oskar Maria Graf1914 wird Oskar Maria Graf zum Kriegsdienst eingezogen und kommt an die Ostfront. 1916 droht ihm eine Verurteilung wegen Befehlsverweigerung. Letztlich wird er in eine Irrenanstalt eingewiesen, als „dienstuntauglich“ eingestuft und aus dem Militärdienst entlassen.

Oskar Maria Graf heiratet im Mai 1917. Ein Jahr später wird dem Paar eine Tochter, sie nennen sie Annemarie, geboren. Die Ehe ist nicht von Dauer und das Kind wird von seiner Mutter aufgezogen.

Am Ende des Ersten Weltkrieges setzt Oskar Maria Graf seine merkantilen Fähigkeiten als Schwarzmarkthändler ein: „Ich warf mich erst recht auf das schnelle Verdienen. In den ‚Simplizissimus‘ kam ich, setzte mich zwischen die diskutierenden Dichter und Künstler und zog auf einmal eine lange Hartwurst aus der einen Brusttasche, aus der anderen Damenstrümpfe, aus der Joppentasche feinste Schokolade.“

Oskar Maria Graf reift zum erfolgreichen Schriftsteller

Seinen ersten Gedichtband „Die Revolutionäre“ veröffentlicht Oskar Maria Graf 1918; den Buchumschlag gestaltete sein Freund, der Maler und Grafiker Georg Schrimpf.
Mit seinem autobiografischen Roman „Wir sind Gefangene“ feiert Oskar Maria Graf 1927 seinen Durchbruch als Autor. In der Vorbemerkung zu dem Buch schreibt er: „Nichts in diesen Blättern ist erfunden, beschönigt oder zugunsten einer Tendenz niedergeschrieben … Dieses Buch soll nichts anderes sein als ein menschliches Dokument dieser Zeit.“
Das Werk gliedert sich in zwei Teile. „Frühzeit“ berichtet von seiner Kindheit am Dorf, der Arbeit als Bäcker und der Flucht in die Stadt. Er wird Teil der Münchner Bohème, lernt unter anderem Erich Mühsam kennen und reift zum politisch denkenden Menschen.
Im zweiten Teil berichtet Oskar Maria Graf über seine Schwarzmarktaktivitäten und seine Beteiligung an der Münchner Räterepublik. Rückblickend meint er: „Sie sind alle Hunde gewesen wie ich, haben ihr Leben lang kuschen und sich ducken müssen, und jetzt, weil sie beißen wollten, schlägt man sie tot. Wir sind Gefangene!“

Nach der blutigen Niederschlagung der Münchner Räterepublik wird er verhaftet und kommt, nicht zuletzt aufgrund der Fürsprache von Rainer Maria Rilke – „ich wünsche von Herzen, daß dieser ernste und begabte junge Schriftsteller recht rasch seiner Tätigkeit wiedergegeben und einer Lage entzogen sei, in die ihn nur ein völlig verkennender Irrtum gestürzt haben kann.“ – nach einigen Wochen frei.

Mit „Gelächter von außen. Aus meinem Leben 1918-1933″ legt Oskar Maria Graf viele Jahre später einen weiteren autobiografischen Band vor. Darin zeichnet er anhand seiner Erlebnisse die Entwicklung der Weimarer Republik nach.

„Das Bayrische Dekameron“, eine Sammlung von 31 seiner spitzbübisch, urwüchsig und frivolen Geschichten, die er 1928 veröffentlicht, empfiehlt er folgendermaßen: „Wer an Ärger oder Griesgram leidet, für den bin ich die beste Medizin. Viele haben sich über meinen Inhalt schon gesund gelacht (…). Freilich, für Kinder bin ich nichts, aber ausgewachsene Weiberleut und Mannsbilder schätzen mich ungemein. Denn ich bin ein überaus fideles Bauernliebeslexikon mit entsprechenden Bildern und erzähle ungeschminkt, wie unsere Bauern daheim Liebschaften betreiben (…). Wer sich darüber informieren will, der muß mich lesen.“

Wenn der Roman „Wir sind Gefangene“ den Beginn einer breiten künstlerischen Anerkennung markiert, so steht das „Dekameron“ für einen dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg.

Oskar Maria Graf: Verfolgung und Exil

Als die Bücher im Mai 1933 im Deutschen Reich in Flammen aufgehen, seine Manuskripte und ein Großteil seiner Bibliothek beschlagnahmt werden, befindet er sich gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Mirjam Sachs in Österreich und entgeht so der Verhaftung.

Zu seinem großen Entsetzen findet er sich mit fast all seinen Werken auf der sogenannten „Weißen Liste“ und damit unter den von den NationalsozialistInnen empfohlenen AutorInnen.
Am 12. Mai 1933 fordert Oskar Maria Graf in der von Viktor Adler gegründeten Arbeiterzeitung, dem Zentralorgan der Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs „Verbrennt mich“:
„(…)Diese Unehre habe ich nicht verdient! Nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbande gelangen. Verbrennt die Werke des deutschen Geistes! Er selber wird unauslöschlich sein wie eure Schmach! (…)“

Ob, wie verschiedentlich behauptet, seine Werke in einer eigens für ihn anberaumten Aktion im Innenhof der Münchner Universität verbrannt wurden, ist bisher nicht belegt. Allerdings lassen die Reaktionen der NationalsozialistInnen dies durchaus vermuten. So schreiben die „Münchner Neuesten Nachrichten“ am 2. Juni 1933: „Aber wenn es der Herr Dichter durchaus will, nun wir sind garnicht so und pflegen Privatwünsche in diesem Falle sehr wohl zu berücksichtigen. Also, hinein mit ihm ins Feuer.“

Oskar Maria Graf kehrt nicht mehr nach Deutschland zurück, wird 1934 ausgebürgert und bleibt bis 1958 staatenlos.
Von Wien führt ihn seine Flucht 1934 nach Brünn. Vier Jahre später gelangt er gemeinsam mit Mirjam Sachs, sie ist eine Cousine der späteren Nobelpreisträgerin Nelly Sachs, über Holland in die USA. Im Gegensatz zu manch anderem, dessen Schreibfluss im Exil vertrocknet, bleibt er auch in der Fremde ein sehr produktiver Schriftsteller, der im Laufe seines Lebens wohl um die vierzig Bücher schreibt.

Den 1940 erscheinenden Roman „Das Leben meiner Mutter“ verfasst Oskar Maria Graf bereits in New York. Er ist überzeugt: „Wenn alle meine Bücher vergehen, dieses Buch schreibt mir keiner nach und dies Buch bleibt. Dös glaub‘ i bestimmt.“ Es ist das Porträt einer Frau, die ihre Familie liebevoll zusammenhält, und zugleich ein großer sozial- und zeitkritischer Roman, der den Bogen von Ludwig II. über Otto von Bismarck bis Adolf Hitler spannt.
Thomas Mann schreibt über das Buch: „Das ist ein wahres Monument der Pietät und Liebe und in seiner Art ein klassisches Buch. Gewiß werden später die deutschen Schulkinder Stücke daraus in ihren Lesebüchern finden.“

Oskar Maria Graf: „Stalinagent in der Lederhose“

Als „Stalinagent in der Lederhose“ denunziert, bleibt Oskar Maria Graf die Einbürgerung zwei Jahrzehnte verwehrt. Erst im Dezember 1957 wird er auf die Verfassung vereidigt und erhält die US-Staatsbürgerschaft. Zuvor darf der 63-Jährige noch einmal den Wehrdienst verweigern. Der Abschnitt, in dem sich ein Neubürger üblicherweise verpflichtet, sein Land „mit der Waffe in der Hand zu verteidigen“, wird dem Pazifisten erlassen.

1958 besucht Oskar Maria Graf erstmals wieder München. Noch zweimal wird er die alte Heimat sehen. Wurzeln wird der Mann, der zeitlebens in keine Schablone gepasst hat, kein zweites Mal dort schlagen.

Als sich eine Ausweitung des Vietnamkriegs abzeichnet, schreibt er einen offenen Brief an Papst Paul VI., in dem er den Papst bittet „das biblische Gebot ‚Du sollst nicht töten!‘ erneut und mit allem Nachdruck zur strengen, unabdingbaren Verpflichtung für jeden einzelnen Gläubigen zu machen …“

Oskar Maria Graf, in dessen Werk sich starke Heimatverbundenheit, vor allem aber auch Sozialkritik und kompromissloser Pazifismus widerspiegeln stirbt 1967 in New York, seine Urne wird ein Jahr später in München auf dem Bogenhausener Friedhof beigesetzt.

Werke von und über Oskar Maria Graf

Oskar Maria Graf, Werkausgabe. Herausgeber: Wilfried Schoeller, 4800 S. List Verlag
Oskar Maria Graf, Das bayrische Dekameron, Ullstein Verlag
Oskar Maria Graf, Das Leben meiner Mutter, Ullstein Verlag
Oskar Maria Graf, Wir sind Gefangene, Ullstein Verlag
Viele weitere Werke von Oskar Maria Graf finden Sie auf der Site von Ullstein/List
Oskar Maria Graf. Rebellischer Weltbürger, kein bayerischer Nationaldichter, Hg. Ulrich Dittmann, Verlag Friedrich Pust
Ein neuer Blick auf Oskar Maria Graf: Illustration, Fotografie, Malerei. Fromm, Waldemar (Hg.), Allitera Verlag

Fotoquelle: Via Lembachhaus unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 4.0

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Bücherbörse – Wiener Bücherschmaus

Bücherbörse = Qualität und Vielfalt für die kleine Geldbörse

BücherbörseDie Bücherbörse des Wiener Bücherschmaus bietet einen Abverkauf von Antiquariatsbeständen. Das Angebot wechselt von Termin zu Termin: Belletristik aus aller Welt, österreichische Literatur, fremdsprachige Literatur, Sachbücher, Sozial- und geisteswissenschaftliche Fachliteratur, Viennensia, Kinder- und Jugendbücher, Kochbücher.

Taschenbücher ab € 1,50; gebundene Bücher ab € 2,50.

  • Freitag, 23. Juli 2021: 14:00 bis 18:00 Uhr
  • Garbergasse 18, 1060 Wien

Mit Ihrem Buchkauf in der Bücherbörse unterstützen Sie die vielfältigen Leseförderinitiativen des „Wiener Bücherschmaus – Verein für Leseförderung und Buchkultur“.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen.
Vergessen Sie nicht Ihren Mund-Nasen-Schutz (MNS)

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Martina Wied

Exilliteratur – Teil 9: Martina Wied

Martina Wied wird 1882 in Wien in liberal-großbürgerliche Verhältnisse hineingeboren und erhält die Vornamen Alexandrine Martina Augusta. Um eine Verwechslung mit ihrer Mutter, der Schriftstellerin Jenny Schnabl, von vornherein auszuschließen, wählt sie bereits als Schülerin das Pseudonym Martina Wied.

Erste Gedichte publiziert sie in Zeitschriften wie „Simplicissimus“ oder „Jugend“, später auch in „Der Brenner“, der vom österreichischen Schriftsteller und Verleger Ludwig Ficker herausgegebenen Kulturzeitschrift.
Aus einer jüdischen Familie kommend, konvertiert Martina Wied zum Katholizismus. Sie absolviert die Lehramtsprüfung und studiert Kunstgeschichte und Philosophie in Wien. 1910 bricht sie ihr Studium kurz vor der Promotion ab und heiratet den Chemiker Sigmund Weisl. Das junge Paar zieht nach Lódz, wo ihr Mann in einem Textilunternehmen arbeitet. Ein Jahr später wird ihr Sohn Hanno geboren.

1919 erscheint unter dem Titel „Bewegung“ der erste Gedichtband von Martina Wied. In den 20er und 30er Jahren publiziert sie in einer Vielzahl renommierter Zeitungen und Zeitschriften Rezensionen, Feuilletons, Erzählungen, Novellen …

1930 stirbt ihr Mann und Martina Wied muss sich und ihren Sohn allein durchbringen. Obwohl sich ihre finanzielle Situation schwierig gestaltet, weigert sie sich ein Angebot, für die nationalsozialistische Presse zu arbeiten, anzunehmen.

Sie bewegt sich in fortschrittlich katholischen Kreisen und setzt sich mit dem Marxismus auseinander. Mit Persönlichkeiten wie Karl Kraus, Ludwig von Ficker, Franz Theodor Csokor und Georg Lukács ist sie freundschaftlich verbunden.

BuchcoverDas Asyl zum obdachlosen Geist 1934 erscheint „Das Asyl zum obdachlosen Geist“ als Fortsetzungsroman in der „Wiener Zeitung“. Als erster Roman in Buchform folgt 1936 „Rauch über St. Florian“. Martina Wied führt in dem Werk „… in einem fiktiven österreichischen Idealdorf Dutzende Figuren zusammen, um zu zeigen, daß auch das von der Heimatliteratur so bedenkenlos mythisierte Dorf eine, wie es schon der Untertitel nennt, ‚Welt der Mißverständnisse‘ bildet.“ Aus dem von Karl-Markus Gauß verfassten Vorwort zu „Die Geschichte des reichen Jünglings“, Sisyphus Verlag, 2005.

Martina Wied: Exil – Rückkehr nach Wien

1939 gelingt Martina Wied, sie ist zu diesem Zeitpunkt bereits weit über fünfzig, die Flucht nach Großbritannien. Ihr Sohn kann sich ebenfalls retten, er erhält ein Visum für Brasilien. Bis die beiden einander wieder in die Arme schließen können, werden zehn Jahre vergehen.
Im englischen Exil arbeitet Martina Wied als Lehrerin an verschiedenen Schulen und Mädcheninternaten. In dieser Zeit entsteht auch der Roman „Das Krähennest“. Er ist einer der großen österreichischen Exilromane. 1951 veröffentlicht, spielt er in der Zeit des 2. Weltkrieges und berichtet von Kollaboration, Widerstand, Verrat und über die Not und Einsamkeit im Exil.

In den folgenden Versen, die Teil des Gedichtes „Die Insel“ sind, fasst Martina Wied ihre Erfahrungen und Gefühle aus der Zeit des Exils zusammen.

„Gott hat mich in ein fremdes Land geführt –
Nein, hingesandt, versiegelt und verschnürt –
Ganz willenlos. Und alles ist hier fremd:
Die Kost, der Trunk, die Luft, das Wort, die Tracht –
Und was ich trag‘, geborgt, nichts mein als nur das Hemd
Am Leib – und noch das Heimweh, das ich mitgebracht.“

Martina Wied Krähennest1947 kehrt Martina Wied nach Wien zurück und erhält fünf Jahre später den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur. Sie ist damit die erste von lediglich sieben Frauen, die in der 2. Republik bisher mit dieser Auszeichnung geehrt werden.

Der von Martina Wied 1944 begonnene Roman „Das Krähennest“ wird 1951 veröffentlicht und zu diesem Zeitpunkt kaum wahrgenommen. Es ist eines jener Bücher, die sich mit den Themen Faschismus und Exil differenziert auseinandersetzen. Eine Form von Literatur, die zum Zeitpunkt ihres Erscheinens keineswegs mehr erwünscht ist: „… mitten im Zweiten Weltkrieg nimmt sie eine Stelle als Sprachlehrerin in einem englischen Internat an. (…) Madeleine versucht sich einzugewöhnen, mit dem Herzen bleibt sie aber ihrem alten Leben verbunden: mit dem von den Nazis besetzten Paris und ihrem ehemaligen Geliebten Ernest, einem prominenten Schriftsteller, der mittlerweile mit den Nationalsozialisten kollaboriert. Madeleine hadert, ob sie nicht doch hätte bleiben müssen, um gegen das Regime zu kämpfen.“ Quelle: Edition Atelier

Der Opus Magnum von Martina Wied

Martina Wied BuchcoverAm 25. Jänner 1957 stirbt Martina Wied und hinterlässt mit „Die Geschichte des reichen Jünglings“ ihr Opus Magnum. 15 Jahre hat sie an den fast 800 Seiten des Romans gefeilt. Neun weitere Jahre hat es gedauert, bis der bereits 1943 vollendete Roman einen Verleger gefunden hat.
Sein Inhalt ist von umfangreichen philosophischen und gesellschaftspolitischen Debatten geprägt. Diese begleiten den Sohn eines polnischen Industriebarons auf seinem Weg der Irrungen, hin zu einem tätigen Christentum, das in einem radikal individualistischen Humanismus mündet. Bis es soweit ist, sucht der „reiche Jüngling“ die Bewältigung seiner Probleme bzw. einen neuen Anfang in nächtlicher Lasterhaftigkeit, später durch wissenschaftliche Arbeit, bis er Iwanow, einem sozialistischen Agitator mit großer Ausstrahlungskraft, folgt.

„Unter einer Zugpende, deren grüner Papierschirm eine schwache Lampe beschattete, saß an einem Tisch mit schmutziger roter Wolldecke, worauf kreisrund wie ein nasser Fleck das Licht lag, der Genosse Iwanow. Bei meinem Eintritt schrieb er, ich hatte zuerst, über das Blatt gebeugt, seinen Kopf mit dünnem rötlichem Haar – seine schmalen Schultern in einer verschossenen Touristenjoppe, seine schmalen, blaugeäderten Hände vor mir, dann sah er auf. Ich blickte in ein mageres Gesicht mit tief eingeschnittenen Kerben, aber, obgleich Iwanow an die vierzig sein mußte, jung; in porzellanblaue, kühl und scharf blickende Augen, auf einen schmalen, unsinnlichen Mund. (…) Iwanow stand auf, er war größer, als er‘s sitzend erraten hatte lassen, aber nicht groß, sein schlechtsitzender, mißfarbener Sportanzug schien ihm zu weit geworden, seine Beine in grünen Wickelgamaschen waren außerordentlich mager, die Hand, die er mir reichte, fühlte sich kalt und trocken an, unkörperlich.“ Aus: „Die Geschichte des reichen Jünglings“, Sisyphus Verlag, 2005, Seite 326.

Es ist übrigens der Philosoph und Literaturhistoriker György Lukács, der sich nach der Niederschlagung der ungarischen Räterepublik einige Zeit in Wien aufhält und der durch die Figur des Iwanow in den Roman eingebunden wird. Die Frage, ob sich Lukács in dem Roman wiedererkannt hat, muss leider unbeantwortet bleiben.

Karl-Markus Gauß schreibt im Vorwort des 2005 im Sisyphus-Verlag neu aufgelegten Romans über Martina Wied: „(…) sagt entschieden der Hoffnung ab, die Welt wäre auf politischem Wege und mit politischem Mitteln zum besseren zu verändern; stattdessen setzt sie auf die Läuterung des einzelnen – insbesondere des Mächtigen – und auf eine von Mitgefühl für alle Kreaturen durchtränkte Entsagungsphilosophie. Darin werden ihr die meisten heutigen Leser nicht folgen wollen, das ist aber auch nicht notwendig, um die Ernsthaftigkeit zu erkennen, mit der sie Verhältnisse kritisiert, die den Menschen schinden und das Ebenbild Gottes schänden, und um ihre schriftstellerische Leistung anzuerkennen.“

Literatur von Martina Wied

Martina Wied: Das Krähennest. Edition Atelier, 2021.
Martina Wied: Die Geschichte des reichen Jünglings. Verlag Sisyphus, 2005.
Martina Wied: Das Asyl zum obdachlosen Geist. Verlag Milena, 2020.

Weitere Werke von Martina Wied

Bewegung. Gedichte. Wien, Prag, Leipzig: Strache, 1919.
Rauch über St. Florian. Roman. Wien: Fromme, 1936.
Das Einhorn. Roman. Wien: Ullstein, 1948.
Kellingrath. Roman. Innsbruck: Österr. Verlagsanstalt, 1950.
Brücken ins Sichtbare. Gedichte. Innsbruck: Österreichische Verlagsanstalt, 1952.
Der Ehering. Roman. Innsbruck: Österr. Verlagsanstalt, 1954.

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Bücherbörse – Wiener Bücherschmaus

Bücherbörse: Ein lesendes Mädchen auf einem BücherstapelDie Bücherbörse des „Wiener Bücherschmaus“ bietet: Belletristik aus aller Welt, österreichische Literatur,fremdsprachige Literatur, Kinder- und Jugendbücher, Sachbücher, Viennensia, Kochbücher, Sozial- und geisteswissenschaftliche Fachliteratur.

Die Bücherbörse: Qualität und Vielfalt für die kleine Geldbörse

Taschenbücher ab € 1,50; gebundene Bücher ab € 2,50.

  • Freitag, 25. Juni 2021: 14:00 bis 18:00 Uhr
  • Samstag, 26. Juni 2021: 10:00 bis 16:00 Uhr

Wiener Bücherschmaus: 1060 Wien, Garbergasse 18

Mit Ihrem Buchkauf in der Bücherbörse unterstützen Sie die vielfältigen Leseförderinitiativen des „Wiener Bücherschmaus – Verein für Leseförderung und Buchkultur“.

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Vergessen Sie nicht Ihre FFP2-Maske.

Grafik: OpenClipart-Vectors auf Pixabay

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Alexander Moritz Frey

Exilliteratur – Teil 8: Alexander Moritz Frey

Der 1881 in München geborene Alexander Moritz Frey, von seinen Freunden „Amf“ genannt, ist ein viel gelesener Autor in der Zeit der Weimarer Republik.

Er macht sich unter anderem im Bereich der fantastischen Literatur, als Erzähler und Satiriker einen Namen. Von Thomas Mann wird sein schriftstellerisches Werk hochgeschätzt und Kurt Tucholsky schreibt in der Weltbühne vom 07. 08. 1919 über Freys Roman „Solneman der Unsichtbare“: „Es geht alle an, die Spaß an barockem Humor haben. Ich sage absichtlich nicht: grotesk – das ist dieser Humor auch –, aber da ist doch noch ein Ton, der aufhorchen macht, und der nicht auf der Mohnwiese E. A. Poes gewachsen ist: ein schneidender, eiskalter Ton.“

Die Werke von Alexander Moritz Frey gehen in den Bücherverbrennungen des Jahres 1933 in Flammen auf.

Alexander Moritz Frey: Erster Weltkrieg und Weimarer Republik

Kurz, nachdem Moritz Frey mit Solneman der Unsichtbare seinen ersten großen Bucherfolg feiert – der Roman wird im Münchner Delphin Verlag publiziert und ist heute ein Klassiker der frühen Phantastik – wird er 1915 eingezogen und kommt als Sanitäter an die Westfront.

Alexander Moritz Frey Mit dem Gefreiten Adolf Hitler dient Alexander Moritz Frey während des Ersten Weltkrieges in einer Kompanie. Über seine Erfahrungen mit Adolf Hitler schreibt er in „Der unbekannte Gefreite“: „Es war tatsächlich so: er redete, schimpfte, trumpfte auf und verzerrte mit einem gewissen abgefeimten Geschick die wahre Sachlage schon damals als kleiner Gefreiter so und mit im Grunde den gleichen Worten, wie er es 25 Jahre später als uferloser Machthaber tat. Wenn behauptet wird, er sei feige gewesen, so stimmt das nicht. Aber er war auch nicht mutig, dazu fehlte ihm die Gelassenheit. Er war allzeit wach, sprungbereit, hinterhältig, sehr um sich in Sorge, alle Kameradschaftlichkeit war Kostüm […]“

Der direkte Vorgesetzte der beiden ist Feldwebel Max Amann. Dieser wird als enger Vertrauter Adolf Hitlers bereits Anfang der 20er-Jahre die Geschäftsführung der NSDAP übernehmen. 1933 steigt er nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten zum Präsidenten der Reichspressekammer auf. Bereits kurz nach dem Ersten Weltkrieg bietet er Alexander Moritz Frey die Leitung des Feuilletons des „Völkischen Beobachters“ an. Dieser lehnt ab. Amann und Hitler werden in den nächsten Jahren trotzdem nichts unversucht lassen, den „Kameraden“ auf ihre Seite zu ziehen.

„Ich sagte: nein – und machte mir Feinde, denn sie sahen nicht ein, weshalb ein alter Kämpfer und einwandfreier Arier nicht mitmachen wollte. Max Amann bearbeitete mich mehrmals, lud mich ein zu den großen Versammlungen im Zirkus Krone auf einen Ehrenplatz. „Der Hitler macht es, glauben’s mir das Frey, – er macht es. Und Sie werden’s noch bereuen, indem dass Sie nicht auf mich hören wollen.““

Endgültig geht ihnen wohl ein Licht auf, als Alexander Moritz Frey 1929 sein Antikriegsroman „Die Pflasterkästen“ veröffentlicht.

Der großer Antikriegsroman von Alexander Moritz Frey

In einer glasklaren Sprache zeichnet er in „Die Pflasterkästen“ das Grauen des Krieges: „Das unbrauchbare Fleisch, vorgestern noch verwendbar als Gewehrträger, als Bajonettstich und Schuß, fällt in die Grube. Wenn es hier draußen etwas Würdiges, etwas Sinnvolles getan hat, so jetzt: Es düngt die Erde.“

Der Roman wird in seiner Bedeutung gerne mit Remarques „Im Westen nichts Neues“ verglichen. Die Pflasterkästen reihen sich in die Gruppe jener Romane ein, die von der Menschenverachtung des Krieges und einer „verlorenen Generation“ künden wie beispielsweise Ernst Glaesers „Jahrgang 1902″, Edlef Köppens „Heeresbericht“, Ludwig Renns „Krieg“ und Arnold Zweigs „Erziehung vor Verdun“.

Alexander Moritz Frey: Exil

Am 15. März 1933, nur wenige Wochen nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, wird ein Haftbefehl gegen Alexander Moritz Frey erlassen und gleichzeitig verwüstet die SA seine Wohnung in München. Glücklicherweise befindet er sich zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause. Sein Freund Alfred Neumann bringt ihn noch am selben Tag im Kofferraum seines Autos über die Grenze nach Österreich.

Das literarische Werk von Alexander Moritz Frey geht kurz darauf in den Bücherverbrennungen in Berlin und vielen weiteren Städten des Deutschen Reichs in Flammen auf. Sein Weg als „Schriftsteller unter Ausschluß der Öffentlichkeit“, wie er sich selbst bezeichnet, beginnt in Salzburg, in jener Stadt, in der fünf Jahre später ebenfalls die Bücher brennen werden.

Weil er die in Moskau erscheinende Exilzeitung „Das Wort“ zugesandt erhält, in ihr publizieren Autoren wie Alfred Döblin, Thomas Mann, Anna Seghers und Stefan Zweig, wird er von der österreichischen Fremdenpolizei verdächtigt, Propagandamaterial aus Moskau zu besitzen.

Knapp vor dem Einmarsch der Wehrmacht flüchtet Alexander Moritz Frey 1938 weiter nach Basel. Mittellos, wie er ist, heißen ihn die Schweizer Behörden keineswegs willkommen. Vielmehr konfrontieren sie ihn mit einem amtlichen Schreib- und Publikationsverbot. Alexander Moritz Frey schreibt trotzdem. So entsteht in der Zeit des Schweizer Exils sein Roman „Hölle und Himmel“. In ihm geht es vordergründig um die Geheimnisse eines angeblichen Hieronymus Bosch Gemäldes, tatsächlich verarbeitet er in dem Buch die Erlebnisse seines Salzburger Exils. In Zeitungen und Zeitschriften kann Alexandre Moritz Frey seine Beiträge anfänglich nur im Zusammenwirken mit ihm gut gesonnenen Redakteuren und unter schweizerisch klingenden Pseudonymen unterbringen. Thomas Mann, mit dem er befreundet ist, unterstützt ihn finanziell. So ist sein Überleben, wenn auch unter schwierigsten Bedingungen, gesichert.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges kann er sich nicht entschließen, nach Deutschland zurückzukehren. Alexander Moritz Frey ergeht es wie vielen EmigrantInnen. Während zahlreiche der 88 deutschen SchriftstellerInnen, die 1933 ein Treuegelöbnis für Adolf Hitler ablegten, bald wieder gut im Geschäft sind, kann der einstmals hochgeschätzte Autor im Literaturbetrieb nicht mehr Fuß fassen.

Selbst die Einbürgerung in die Schweiz wird Alexander Moritz Frey bis kurz vor seinem Tod verwehrt. Man hält ihm vor, er sei zu wenig „assimiliert“ und bezichtigt ihn beispielsweise, er habe in einer Rezension „gewisse Eigenarten der schweizerischen Schriftsprache als Papierdeutsch herabgewürdigt“.
Alexander Moritz Frey stirbt, verarmt und weitgehend vergessen 1957 an den Folgen eines Gehirnschlags.

Bücher von Alexander Moritz Frey:

Alexander Moritz Frey: Solneman der Unsichtbare, Elsinor Verlag.
Alexander Moritz Frey: Die Pflasterkästen. Ein Feldsanitätsroman“, Elsinor Verlag.
Alexander Moritz Frey: Robinsonade zu Zwölft, Elsinor Verlag.
Alexander Moritz Frey: Ein Mädchen mordet, Elsinor Verlag.
Alexander Moritz Frey: Der Mensch und andere Erzählungen, Elsinor Verlag.
Alexander Moritz Frey: Birl, die kühne Katze, ein Märchen, Elsinor Verlag.
Alexander Moritz Frey: Hölle und Himmel, Steinberg Verlag bzw. Gerstenberg (vergriffen).

Fotocredit: Axel Kirch / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons). Das hier abgebildete Foto zeigt einen Auschnitt des Originalfotos von Axel Kirch und stellt das „Lesezeichen“ für Alexander Moritz Frey auf dem Bonner Markt dar.

„In das Pflaster des Bonner Marktes sind insgesamt 60 sichtbare Buchrücken, sogenannte „Lesezeichen“, verteilt, die sich an der Rathaustreppe, dem Ort, an dem die Bücher am 10. Mai 1933 verbrannt wurden, verdichten. Zusätzlich wurde ein wetterfester Archiv-Behälter in Form einer Büchertruhe in den Platz eingelassen. Seine Inschrift benennt das Ereignis und weitere Autoren von verbrannten Büchern.“

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Das Bücherabo Literaturschmankerl auf Ö1

Der Verein Wiener Bücherschmaus lädt Sie ein zum Hören von Ö1. Irmi Schentz und Georg Schober hatten das Vergnügen, in der Sendung „Moment – Leben heute“ unter dem Titel „Bücher-Abonnements und soziale Anliegen“ über das Bücherabo Literaturschmankerl zu berichten.

Ein herzliches Dankeschön an Dominique Gromes, die durch Ihre Interviewführung für eine angenehme und entspannte Atmosphäre gesorgt hat. Die Sendung ist ab heute 7 Tage auf Ö1 zugänglich. Wir wünschen ein genussvolles Nachhören und freuen uns über Ihre Bestellung
des Bücherabos Literaturschmankerl.

Formatbedingt, es standen für die Vorstellung zweier unterschiedlicher Bücherabo-Initiativen (Bücherabo Literaturschmankerl und Bücherbox) lediglich wenige Minuten zur Verfügung, hatte nicht alles aus dem Interview in der Sendung Platz. Daher ein kleine Ergänzung:

Das Bücherabo Literaturschmankerl

BücheraboUnser Bücherabo besteht aus handverlesenen Büchern. Diese werden von Verlagen und Privatpersonen zur Verfügung gestellt. Sie sind teilweise aus zweiter Hand, aber immer neuwertig bzw. sehr gut in Schuss. Monatlich gibt es zwei Taschenbücher oder eine Hardcover-Ausgabe.

Das Bücherabo für Menschen von 3 – 99

Das Bücherabo für Erwachsene + Postversand kostet halbjährlich 60,- Euro, jährlich 115,- Euro.
Das Kinder- und Jugendabo + Postversand kostet halbjährlich 49,- Euro, jährlich 89,- Euro.
Für SelbstabholerInnen verringern sich die Kosten um 24,- Euro bzw. 48,- Euro.

Das Bücherabo unterstützt die Leseförderung

Die Aboeinnahmen dienen der Finanzierung unserer Leseförderinitiative: So bietet der Wiener Bücherschmaus das für Schulklassen kostenlose Leseförderprojekt „Bücher auf Rädern“, veranstaltet Workshops und betreut 5 Verschenkbuchregale.

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Erich Fried

Exilliteratur – Teil 7: Erich Fried

Erich Fried: Österreicher – Jude – Emigrant – Marxist – Friedensaktivist und Antizionist

Erich Fried Buchcover Kämpferischer Lyriker, großartiger Übersetzer von Shakespeare und wortgewaltiger Essayist. Von den einen als „Stören-Fried“ verehrt, von den anderen als solcher gefürchtet und oftmals mit Schmutz beworfen. Dieser Tage hätte Erich Fried seinen hundertsten Geburtstag gefeiert.

Erich Fried im Exil

In Wien geboren, rettet sich Erich Fried als Siebzehnjähriger nach der Auslöschung Österreichs und der Tötung des Vaters durch die NS-Schergen als junger Mann nach England. Anfänglich hält er sich mithilfe von diversen Gelegenheitsjobs, unter anderem als Fabrikarbeiter und Bibliothekar über Wasser. Ab 1941 veröffentlicht er Gedichte in Exil-Zeitschriften wie Young Austria und im Zeitspiegel. Seine erste selbstständige Veröffentlichung „Deutschland Gedichte“ erscheint 1944 im Verlag des österreichischen Exil-PEN in London. Nach dem Krieg arbeitet Erich Fried ab den frühen 50-Jahren als Kommentator der BBC. 1968 beendet er dieses Arbeitsverhältnis, widmet sich verstärkt seinem literarischen Schaffen und wird zusehends, vor allem in der BRD, zu einer von vielen gehörten Stimme in der politischen Auseinandersetzung.

Der Lyriker Erich Fried

Erich Fried Buchcover von  und Vietnam und Von seinen Büchern, insbesondere jenen über die Liebe, wurden bisher weit über eine Million Exemplare verkauft. Sie machen Erich Fried zu einem der erfolgreichsten und meistgelesenen deutschsprachigen Lyrikern. Sein politisches Engagement, sein Anschreiben gegen Krieg und Unterdrückung erhält heute vergleichsweise weniger Aufmerksamkeit. Letztlich hat aber auch seine Liebeslyrik, indem sie in einer durch und durch monetarisierten Gesellschaft dazu aufruft, den Menschen wahrzunehmen und ihn in seiner Individualität zu akzeptieren, einen eminent politischen Charakter.

Der Verleger Christian Bourgois schreibt über Erich Fried: „Er beendet eine Tradition des deutschen Gedichts als neutrale Darstellung von Seelenlandschaften und erneuert eine andere durch Hineinnahme des lyrischen Ichs ins politische Handgemenge.“

Erich Fried: Antizionist und Friedensaktivist

1966, noch vor Beginn der großen Vietnamdemonstrationen, veröffentlicht Erich Fried „und VIETNAM und“ im Verlag Klaus Wagenbach. Der Klappentext des Buches beschreibt den Inhalt folgendermaßen: „Gedichte voll Zweifel am Recht des Stärkeren und an der Glaubwürdigkeit einer demokratischen Idee, die mit Gas, Befriedungsaktionen und Napalm durchgesetzt werden muß.“

Gegen Entfremdung Mit dem Gedicht „Höre Israel!“, Erich Fried schreibt es nach dem Sechstagekrieg 1967, übt er pointierte Kritik am Zionismus und der Politik Israels gegenüber den Palästinensern.

„Als wir verfolgt wurden/ war ich einer von euch/ Wie kann ich das bleiben/ wenn ihr Verfolger werdet?// Eure Sehnsucht war zu werden/ wie die Völker Europas/ die euch mordeten/ Nun seid ihr geworden wie sie.// Ihr habt die überlebt/ die zu euch grausam waren/ Lebt ihre Grausamkeit/ in euch jetzt weiter?// …“

Eine Kritik, die gerade in Zeiten, in denen im „Westen“ die Kritiklosigkeit an der Politik Israels vielerorts zur „Staatsräson“ erhoben ist, nichts von ihrer Bedeutung verloren hat.

Mitte der 70er-Jahre greift er den Titel des Gedichts als Buchtitel auf. In dem Lyrikband versammelt er zahlreiche Gedichte, die sich kritisch mit der israelischen Politik auseinandersetzen. Die Veröffentlichung des Buches hat für Erich Fried und seine Familie dramatische Folgen.

Sein Sohn Klaus Fried schreibt über die damalige Situation: „In den Jahren danach gab es in unserem Haushalt (in London) eine Regel, die nicht infrage gestellt wurde: Wenn ein Paket geliefert wurde, durften wir Kinder es nicht anfassen. Das war ungewöhnlich. Denn im Allgemeinen gab es keine Regeln – und die wenigen, die es gab, waren dehnbar. Zum Beispiel wurde uns davon abgeraten, die Polizei, die unser Telefon abhörte, mit den besten Obszönitäten zu beschimpfen, die unser kindlicher Wortschatz zu bieten hatte – aber wirklich nur abgeraten, nicht verboten.“

Es ist die Zeit, in der Erich Fried in zahlreichen Medien gerne mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten denunziert wird und der bayerische Kultusminister Gedichte von Erich Fried aus Schulbüchern eliminiert. Besonders „sensibel“ äußert sich der damalige Fraktionsvorsitzende der Bremer CDU, Bernd Neumann, über das Gedicht „Die Anfrage“ des „sogenannten Schriftstellers Erich Fried.“: „… so etwas würde ich lieber verbrannt sehen, das will ich Ihnen einmal ganz eindeutig sagen!“

Im Laufe seines Lebens erhält Erich Fried zahlreiche Ehrungen und Preise: 1972 wird er mit dem „Österreichischen Würdigungspreis für Literatur“ ausgezeichnet.
In seiner Dankesrede heißt es unter anderem „Mir geht es halbwegs gut; und seit ich als junger Flüchtling Dichter werden wollte, hat sich vieles geändert (sonst könnte ich heute hier nicht stehen); aber Verfolgte und Entrechtete gibt es immer noch.“ Daher spendet er die eine Hälfte des Preises an die Israelische Liga für Menschen- und Bürgerrechte. Die andere Hälfte geht an einen Anwalt, der die Interessen von Palästinensern in der BRD vertritt.

In weiterer Folge entsteht das Gerücht, Erich Fried hätte sein Preisgeld dem „Schwarzen September“ geschenkt. Rabbi Meir Kahane und der Jewish Defense League verurteilen ihn daraufhin zum Tod. Er wird allerdings gewarnt und erhält wenige Wochen später die Nachricht, das Todesurteil sei zurückgezogen, da es auf falschen Informationen beruht.

Erich Fried: Späte Würdigung in Österreich

1986 wird er, der Österreich immer als seine Heimat betrachtet, mit dem Österreichischen Staatspreis für Verdienste um die österreichische Kultur im Ausland ausgezeichnet.

Zwei Jahre später, am 22. November 1988, stirbt Erich Fried nach einer Krebsoperation. Er liegt auf dem Londoner Friedhof Kensal Green begraben. Sein umfangreicher Nachlass wird im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt.

1989 wird in Wien die Internationale Erich Fried Gesellschaft für Literatur und Sprache gegründet. Sie verleiht seit 1990 den mit 15.000 Euro dotierten Erich Fried Preis.

Wer sich mit dem Werk von Erich Fried und seinem politischen Wirken näher beschäftigen möchte, findet in folgenden Publikationen reichlich Lesestoff.

  • Erich Fried: „Mitunter sogar Lachen. Erinnerungen“, 208 Seiten, Verlag Klaus Wagenbach. Die Erinnerungen liegen auch als Hörbuch, gelesen von Helmut Qualtinger und erschienen bei „Der Audio Verlag“ vor.
  • Moshe Zuckermann, Susann Witt-Stahl: „Gegen Entfremdung. Lyriker der Emanzipation und streitbarer Intellektueller – Gespräche über Erich Fried“, 128 Seiten, Westend Verlag
  • Erich Fried: „Nicht verdrängen und nicht gewöhnen. Texte zum Thema Österreich“, 265 Seiten, Europaverlag bzw. Buchgemeinschaft Donauland, nur mehr antiquarisch erhältlich.

Weiterführende Links

Unter dem Titel „Liebeslyrik und Streitgedichte. Zum 100. Geburtstag von Erich Fried“ hat die Österreichische Nationalbibliothek eine Online-Ausstellung gestaltet.

Eine ausführliche Familiengeschichte der Familie Fried

Österreichisches Dokumentationsarchiv des Widerstands – Im Gedenken an Erich Fried 1921 – 1988

Und zuguter Letzt die ganze Fülle des literarischen Schaffens von Erich Fried, erschienen im Verlag Klaus Wagenbach.

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Welttag des Buches

Gemeinsam mit Ihnen möchten wir den Welttag des Buches 2021 mit einem literarischen Bilderrätsel feiern. Zu diesem Zweck haben wir ein Quiz-Menü der besonderen Art zusammengestellt.

AUS WELCHEN WERKEN STAMMEN DIE 11 SCHMANKERL IN DER BÜCHERSCHMAUS BILDERSCHAU?

Unter allen richtigen Einsendungen werden drei süße Überraschungen verlost.

Ihre Antwort senden Sie bitte bis zum 30. Juni 2021 per Mail an den Wiener Bücherschmaus.

Übrigens: Wir freuen uns sehr, dass wir auch dieses Jahr wieder eingeladen wurden zur „biblio aktiv“ – der Fachmesse für NÖ Bibliotheken, die heuer (im online-Format) ebenfalls am Welttag des Buches stattfindet.

Über den Welttag des Buches

1995 erklärt die UNESCO den 23. April zum Welttag des Buches und des Urheberrechts. Die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur schafft mit dem Welttag des Buches einen alljährlichen Schwerpunkt zur Förderung von Literatur.

Seinen Ursprung hat der Welttag des Buches in einem katalanischen Brauch. Am Namenstag des heiligen Jordi (Sankt Georg) schenken die Menschen einander Rosen und auf Initiative der Büchergilde von Barcelona seit den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts Bücher. So ist der Welttag des Buches insbesondere in Barcelona, der Hauptstadt Kataloniens, ein Kulturereignis mit Volksfestcharakter.

Auf den Welttag des Buches fällt außerdem das Todesdatum von William Shakespeare und Miguel de Cervantes. Beide starben am 23. April 1616, allerdings nicht am selben Tag. Zu diesem Zeitpunkt wurde in England noch mit dem julianischen Kalender gerechnet, während in Spanien bereits der 1582 durch Papst Gregor XIII eingeführte gregorianische Kalender Verwendung fand. Daher starb Shakespeare zehn Tage später als Cervantes.

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Österreichischer Vorlesetag 2021

Auch 2021 schließt sich der Wiener Bücherschmaus dem Motto des österreichischen Vorlesetages an: „Lesen kann man überall, vorlesen auch.“

Wurden letztes Jahr lyrische Spezereien live aus dem Kleiderkasten kredenzt, so servieren wird heuer das Märchen von Frau Holle. Dazu reichen wir Wissenswertes darüber, was es mit dem Backofen auf sich hat oder warum es wichtig ist, dass Frau Holle die Betten schüttelt. Außerdem gehen wir der Frage nach, ob die Pechmarie wirklich die Gelackmeierte ist … Und was macht eigentlich Achill in diesem Märchen?

Viel Vergnügen wünscht das Team vom Wiener Bücherschmaus.
Hier geht’s zum akustischen Schmankerl:

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