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Alois Brandstetter

Alois Brandstetter begeht am 05. Dezember seinen 80. Geburtstag. Vor wenigen Wochen wurde er mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen der Republik ausgezeichnet.

Cover von Altenehrung „Jürgen Meindl, Leiter der Kunst- und Kultursektion im Bundeskanzleramt, sprach in seiner Laudatio über die besonderen Merkmale „Brandstetterschen Schreibens“. ‚Der Wortwitz, die Parodie, das Spiel mit Sprachgeschichte, die rhythmische Sprache und die intensiven Beschreibungen von Mensch und Natur sind bei Alois Brandstetter zu verorten‘, so Meindl. Brandstetter sei ein Konservativer im besten Wortsinn. ‚Er will bewahren ohne zu zementieren, denn er ist davon überzeugt, dass man die Substanz im unbeschädigten Zustand noch braucht‘. Brandstetter sei nicht ‚zeitgeistig‘, sondern ‚wohltuend unzeitgemäß‘, zitierte Meindl eine Charakterisierung Brandstetters. ‚Wir ehren heute einen Humanisten, einen Menschenfreund, einen der ganz großen österreichischen Schreibenden des 20. und 21. Jahrhunderts‘, so Meindl.“ Via ORF Kärnten

Mehr über Alois Brandstetter erfahren Sie im Beitrag „Schimpfreden des Menschenfreundes Alois Brandstetter“ von Christian Schacherreiter in der „Wiener Zeitung“ vom 1./2. Dezember 2018.

Wir laden Sie ein, Alois Brandstetter wieder zu lesen bzw. sein Werk kennenzulernen.

Alois Brandstetter im „Wiener Bücherschmaus“

Sie können aus folgenden sieben Buchpaketen mit Literatur von Alois Brandstetter um jeweils wohlfeile 10,00 Euro wählen. Bei Selbstabholung am Vereinssitz des „Wiener Bücherschmaus“ in Wien-Mariahilf sparen Sie zusätzlich pro Buchpaket 3,00 Euro.


Paket 1:

  • Hier kocht der Wirt, Residenz Verlag, 1995
  • Kleine Menschenkunde, Residenz Verlag, 1987


Paket 2:

  • Altenehrung, Residenz Verlag, 1983
  • Die Burg, Residenz Verlag, 1983


Paket 3:

  • Über den grünen Klee der Kindheit, Residenz Verlag, 1982
  • Hier kocht der Wirt, Residenz Verlag, 1995


Paket 4:

  • Schönschreiben, Residenz Verlag, 1997
  • Vom Manne aus Eicha, Residenz Verlag, 1991


Paket 5:

  • Die Mühle, Residenz Verlag, 1981
  • Zu Lasten der Briefträger, dtv, 2000


Paket 6:

  • So wahr ich Feuerbach heiße, Residenz Verlag, 1988
  • Groß in Fahrt, Residenz Verlag, 1998


Paket 7:

  • Cant läßt grüßen, Residenz Verlag, 2009
  • Almträume, Residenz Verlag, 1993
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STRAMM – Repetitive Erzählung

Fotoprojektionen, Lesung und Buchpräsentation Von Werner Lang und Gue Schmidt

Eine Empfehlung des „Wiener Bücherschmaus“

Wo: Fachbuchhandlung des ÖGB-Verlags, Rathausstraße 21. 1010 Wien (Eingang Universitätsstraße)
Wann: Dienstag 04. 12. 2018, 18:30 Uhr

Die Erzählung „Stramm“ ist nicht das erste Buch von Werner Lang. Er hat immer schon diese Welt, in der er lebte und die er auch leidvoll erlebte, unterschiedlich beschrieben. Man kann sie als Artikel in Betriebszeitungen, und auch als Literatur, wie sie im engeren Sinne verstanden wird, in Zeitschriften und anderen seiner Büchern nachlesen.

Eine Dimension des Leidens, die er in seiner Literatur beschreibt, ist die schwere Arbeit verbunden mit den Arbeitsunfällen in den Betrieben in denen er arbeitete.

Eine andere, eine sehr unangenehme Dimension des Leidens, die er beschreibt, ist der „Betriebsterror“ der seinerzeitigen Betriebsratsspitzen in den Stahlwerken gegen jene die von diesen Betriebsräten als Oppositionelle angesehen wurden, um hier nur zwei von mehreren Leidsystemen, die Werner Lang beschreibt, herauszunehmen. Weiterlesen

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Mahlzeit! Appetit auf Bücher – Workshop

Ein Workshop mit vielen Ideen für Erwachsene, die bei Kindern den Gusto auf Literatur wecken möchten.

Anhand praktischer Übungen lernen die TeilnehmerInnen verschiedene „Zutaten“ kennen, um die Neugierde von Kindern (6-10 Jahre) auf Bücher zu wecken: Geschichten von der Leine, Buchhitparade, Satzrallye usw. Diese Übungen bieten den Kindern auch die Möglichkeit, verschiedene Gestaltungsmerkmale von Büchern kennenzulernen, eigene Gedanken zu formulieren, sich mit anderen über Geschichten auszutauschen.

Datum: Donnerstag, 13. Dezember 2018
Uhrzeit: 18:30 – 21:00
Ort: VHS Mariahilf Neubau Josefstadt, 1060 Wien, Damböckgasse 4
Teilnahmegebühr: Euro 16,30 /Person
Referentin: Maga. Petra Öllinger vom „Wiener Bücherschmaus“, Psychologin, Autorin, Schreibcoach, ausgebildete Vorlesepatin, Absolventin des STUBE-Fernkurses für Kinder- und Jugendliteratur.
Anmeldung bitte bei VHS Mariahilf Neubau Josefstadt.
T.: +43 1 891 74 106 000
E-Mail an die VHS Mariahilf

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Hauspostille November / Dezember 2018

(Vor-)Weihnachtszeit ist Lesezeit: Sie sind eingeladen, Ihren Lesestoff und Ihre literarischen Geschenke beim „Wiener Bücherschmaus“ zu kaufen. Sie können bei uns jedes im Buchhandel beziehbare Buch bestellen und in unserem Online-Shop aus über 3000 antiquarischen Büchern wählen.

Darüber hinaus können Sie über den Bücherschmaus das „Literaturschmankerl“ beziehen. Ein auf Ihre Interessen abgestimmtes Literaturabo mit einer Laufzeit von 6 Monaten oder einem Jahr. Sie suchen ein literarisches Geschenk und wissen nicht so recht …? Ein Literaturschmankerl-Geschenkgutschein ist vielleicht genau das Richtige.

Durch Ihren Buchkauf helfen Sie, die von uns entwickelten Leseförderprojekte weiter auszubauen.

Und die Moral von der Geschicht: Wenn das Gute liegt so nah, muss man nicht nach Amazonien fahren. ;-)

Dank Loriot wissen wir: „Drei Dinge braucht der Mann.“ – und nicht nur er. Bei uns gibt es sogar mehr Dinge. Für die Weihnachtszeit sind es vielleicht folgende vier Veranstaltungen von FreundInnen des „Wiener Bücherschmaus“.

  • Radio SGT – Landesstudio Penzing
  • Olli und der Weihnachtsmann
  • Stramm. Eine repetitive Erzählung
  • Mahlzeit! Appetit auf Bücher – Workshop

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„Tage des Lesens“ – der Bücherschmaus im Stadtschulrat Wien

Bon appétit – Mahlzeit – Smacznego – Enjoy your meal – Jó étvágyat

Am 19. November 2018 war der Wiener Bücherschmaus im Rahmen der „Tage des Lesens“ im BildungsHUB im Stadtschulrat für Wien zu Gast.

Gemeinsam mit Herrn Fuchs und Schaf Igor Ismirschlecht lud Petra Öllinger die PädagogInnen zu einem Galerie-Besuch der besonderen Art ein: Bilder „lesen“, den Appetit wecken auf Geschichten und so die Lieblingslektüre der Klasse finden.

Im Festsaal 3 hatten die BesucherInnen Gelegenheit, in den „Büchern auf Rädern“ zu gustieren und wurden dabei von Georg Schober und Michael Karjalainen-Dräger serviciert.

Bildquelle:
Wiener Bücherschmaus: Creative Commons-Lizenz „Namensnennung 4.0 International – weitergabe unter gleichen Bedingungen“. Die Form der Namensnennung: Wiener Bücherschmaus — Verein für Leseförderung und Buchkultur: https://buecherschmaus.wien

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Bücherspende

Ihre Bücherspende als Basis der Leseförderung.

Mit Ihrer Bücherspende leeren Sie nicht nur Ihre Regale und schaffen Platz für Neues, sondern unterstützen auch die Leseförderprojekte des gemeinnützigen Vereins „Wiener Bücherschmaus“.

Bücherspende - ein Regal gefüllt mit Bücherspenden zur freien Entnahme Ihre Bücher fließen in die Leseförderung für Kinder und Jugendliche, werden in vier Bücherverschenkregalen in Mariahilf kostenlos weitergegeben oder in unserem Online-Shop verkauft. So hilft Ihre Bücherspende unter anderem mit, das Leseförderprojekt „Bücher auf Rädern“ zu finanzieren.

Ihre Bücherspende abgeben

Um die Abgabe Ihrer Bücher zu vereinbaren, erreichen Sie den Wiener Bücherschmaus telefonisch (0677 612 659 11) von Dienstag bis Freitag von 14:00 – 18:00 Uhr. Darüber hinaus können Sie uns täglich von 0-24 Uhr via E-Mail bzw. das Kontaktformular erreichen.

Derzeit können wir Ihre Bücher leider nicht abholen.
Wenn Sie Ihr Weg in der Nähe des Westbahnhofes vorbeiführt, nehmen wir Ihre Bücherspende gerne am Vereinssitz in der Garbergasse 18, 1060 Wien entgegen.
Bitte nehmen Sie mit uns zuvor Kontakt auf, damit wir einen individuellen Übergabetermin für Ihre Literaturspende vereinbaren können.

Bücherspende – Annahmekriterien

Wir freuen uns über Bücher aus folgenden Bereichen:

  • Gut erhaltene deutschsprachige Literatur aller Genres
  • Englischsprachige Belletristik und Fachbücher
  • Sozial- bzw. geisteswissenschaftliche und naturwissenschaftliche Literatur
  • Kinderbücher und Comics in allen Sprachen
  • Französisch-/spanisch-/italienischsprachige Belletristik und Fachbücher
  • Literaturzeitschriften
  • Hörbücher, DVDs, CDs, und LPs

Für die Annahme Ihrer Bücherspende gelten folgende Einschränkungen. Nicht sinnvoll weitergeben und deshalb nicht annehmen können wir:

  • Basarreste
  • Verschmutzte oder beschädigte Bücher (Wasserschaden, Lager- und Kellergeruch, starker Rauchgeruch, Schimmel)
  • Stark beschriebene Bücher, Bücher mit vielen Markierungen
  • Reader’s Digest Auswahlbücher
  • Enzyklopädien und Lexika, außer Fachlexika
  • Fachbücher aus den Bereichen Recht, Wirtschaft, Medizin, Gesundheit, Pädagogik, die älter als 10 Jahre sind
  • Fachbücher aus dem Bereich Computer und EDV, die älter als 4 Jahre sind.
  • Schulbücher
  • VHS- und Musikkassetten

Ihre Bücherspende erfüllt die Kriterien? Wir freuen uns auf einen Anruf oder ein Mail von Ihnen, damit wir einen Übergabetermin für Ihre Bücherspende vereinbaren können.

Herzlichen Dank für Ihr Interesse an der Tätigkeit des „Wiener Bücherschmaus“ bzw. Ihre Bücherspende,

Georg Schober

Bildquelle:
Wiener Bücherschmaus: Creative Commons-Lizenz „Namensnennung 4.0 International – weitergabe unter gleichen Bedingungen“. Die Form der Namensnennung: Wiener Bücherschmaus — Verein für Leseförderung und Buchkultur: https://buecherschmaus.wien

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Die Schneiderin des Nebels

Mit Poesie den Blick schärfen.

Sie wollen ihre Falten verstecken. Sie möchten die Eltern nicht mehr sehen. Sie haben zuviele Schulden. Nur nicht genau hinschauen. Abhilfe schafft ein kleines Mädchen namens Rosa. Ihre Stoffkreationen aus Nebelfäden helfen den Menschen, ihre Falten, die Eltern, zuviele Schulden und vieles andere zu verschleiern. Doch immer droht der Nebel sich zu lichten und er muss erneuert werden. Dazu fängt Rosa den Nebel jeden Morgen am Flussufer mit einem Schmetterlingsnetz ein und beginnt zu spinnen. Tag für Tag. Eines Tages erhält Rosa einen Brief ihres lange abwesenden Vaters. Erinnerungen tauchen auf an eine frohe Kindheit und deren abruptes Ende. Es sind schmerzhafte Erinnerungen; gleichzeitig jedoch schärft sich Rosas Wahrnehmung, ihr persönlicher Nebel lichtet sich. Als der Vater zurückkehrt, hat Rosa ein ein spezielles Geschenk für ihn. Gewebt aus Sonnenstrahlen. Weiterlesen

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Erste Weltkrieg – Kinderliteratur – Jugendliteratur

„Mach, dass unsre Truppen siegen, dass wir wieder schulfrei kriegen.“

Kinder- und Jugenbücher Erste Weltkrieg Hier finden Sie Informationen über die Kinder- und Jugendliteratur während des Ersten Weltkrieges sowie eine Literaturliste mit Büchern, die sich, hauptsächlich aus heutiger Sicht, mit dem Ersten Weltkrieg in kinder- und jugendgerechter Form auseinandersetzen.

Hinweise auf Literatur für ältere Semester bietet der Wiener Bücherschmaus und das Literaturblog „Duftender Doppelpunkt in folgenden zwei Beiträgen: Bücher von AutorInnen, die ZeitzeugInnen des Ersten Weltkriegs waren, finden Sie neben einer kurzen Einführung zum Thema auf der Seite „Der Erste Weltkrieg in der Literatur“. Literatur von GegenwartsautorInnen wurde für Sie in der Literaturliste „Erste Weltkrieg – belletristische Literatur“ zusammengestellt.

Gerne können Sie die gewünschte Literatur über den „Wiener Bücherschmaus“ bestellen. Schreiben Sie uns einfach eine Mail: Kontakt

Direkt zur LITERATURLISTE KINDER- UND JUGENDLITERATUR ÜBER DEN ERSTEN WELTKRIEG springen.

Die zentrale Aufgabe der Kinder- und Jugendliteratur im Ersten Weltkrieg ist die Verherrlichung des Krieges und die Entmenschlichung des Gegners. So findet auch die Losung „Jeder Schuß ein Russ‘! Jeder Tritt ein Brit‘! Jeder Stoß ein Franzos‘!“, entsprechend bebildert, Eingang in die Kinderbücher. Mit Fortdauer des Krieges spiegelt sich dessen Realität – Hunger, Invalidität, Tod und Vernichtung – auch in diesem Bereich der Literatur immer stärker wider. Weiterlesen

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Der Erste Weltkrieg in der Literatur

ROMANE, NOVELLEN, ESSAYS, TAGEBÜCHER, BRIEFE, …

„Irgendeine ganz lächerliche Angelegenheit auf dem Balkan wird den nächsten Krieg auslösen.“ Reichskanzler Otto von Bismarck (1815–1898).

Etwa 17 Millionen Menschen verloren durch den Ersten Weltkrieg ihr Leben. Der folgende Beitrag versucht, 100 Jahre nach dem Ende des Krieges, einen Überblick über die literarischen Zeugnisse dieser Zeit zu geben.

Direkt zur Literaturliste Erster Weltkrieg weiter unten auf dieser Seite springen.

Neben dem wohl bekanntesten Antikriegsroman über den Ersten Weltkrieg, „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque, setzt sich eine Fülle weiterer literarischer Publikationen mit den Ereignissen und Auswirkungen der Jahre 1914–1918 auseinander. Vielen von ihnen ist nicht nur eine hohe literarische Qualität zu eigen, sie führen den LeserInnen die menschenverachtenden Mechanismen des Krieges auch aus ganz unterschiedlichen Perspektiven vor Augen.

Gerne können Sie die gewünschte Literatur über den „Wiener Bücherschmaus“ bestellen. Schreiben Sie uns einfach eine Mail: Kontakt

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Kriegseuphorie und Literatur in Deutschland und Österreich

Klagenfurter Zeitung: Mobilisierungs-Kundmachung vom 1. August 1914

Klagenfurter Zeitung: Mobilisierungs-Kundmachung vom 1. August 1914

Von der anfänglich weitverbreiteten Kriegseuphorie werden auch viele LiteratInnen erfasst. So lässt Hermann Hesse (1877–1962) sein Anfang 1915 veröffentlichtes Gedicht „Der Künstler an die Krieger“ mit folgenden Worten ausklingen: „Die ihr draußen in den Schlachten standet / Seid mir Brüder nun und mir geliebt.“ Robert Musil (1880–1942) schreibt in seinem Essay „Europäertum, Krieg, Deutschtum“ vom 3. August 1914: „Treue, Mut, Unterordnung, Pflichterfüllung, Schlichtheit, – Tugenden dieses Umkreises sind es, die uns heute stark, weil auf den ersten Anruf bereit machen zu kämpfen.“ Gerhart Hauptmann (1862–1946) ist einer von 93 Schriftstellern, Künstlern und Wissenschaftern, die den „Aufruf an die Kulturwelt“ vom 14. August 1914 unterzeichnen: „Glaubt uns! Glaubt, daß wir diesen Kampf zu Ende kämpfen werden als ein Kulturvolk, dem das Vermächtnis eines Goethe, eines Beethoven, eines Kant ebenso heilig ist wie sein Herd und seine Scholle. Dafür stehen wir ein mit unseren Namen und unserer Ehre.“

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Novemberpogrome 1938

Reichskristallnacht oder Novemberpogrome?

Ursprünglich wurden mit dem Wort Pogrom Übergriffe gegen Minderheiten im zaristischen Russland bezeichnet. Nach den dortigen antijüdischen Pogromen von 1881 – 1883 wurde Pogrom international nur mehr im Zusammenhang mit Juden und Jüdinnen verwendet. In den letzten Jahrzehnten erlebte der Begriff eine Bedeutungserweiterung und steht heute für kollektive Gewaltaktionen gegen Minderheiten.

Wer das Wort Reichskristallnacht „kreierte“, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Man kann aber davon ausgehen, dass der Begriff aus dem Berliner Volksmund stammt und auf die Scherben der zerschlagenen Fenster und Auslagen anspielt. Möglicherweise war die Wortschöpfung Reichskristallnacht zuerst eine verklausulierte Form des Protestes, eine Art ohnmächtiger Sarkasmus der GegnerInnen des Nationalsozialismus.

Die NationalsozialistInnen nannte die Deportation und Ermordung der Juden und Jüdinnen anfänglich weder Pogrom noch Reichskristallnacht, sondern, wie man aus dem Betreff des Befehlsschreibens von Reinhard Heydrich, Leiter der Sicherheitspolizei und des SD, entnehmen kann: „Maßnahmen gegen Juden“.1

Der Begriff Reichskristallnacht wurde allerdings von den NationalsozialistInnen rasch vereinnahmt. So meinte Wilhelm Börger, Ministerialdirektor im Reichsarbeitsministerium, im Juni 1939 auf dem Gautag der NSDAP in Lüneburg: „ … sehen Sie, die Sache geht als Reichskristallnacht in die Geschichte ein (Beifall, Gelächter) …“2

Der Politologe Harald Schmid weist in seinem Beitrag „Sprachstreit im Novemberland“ auf die der Bezeichnung Reichskristallnacht innewohnende Dialektik hin: „Doch das Wort bleibt auch ein nützlicher sprachlicher Stolperstein. Denn die scheinbar bloß etymologische und semantische Kontroverse führt geradewegs zum Gespräch über die ganze NS-Vergangenheit, den kritischen Umgang mit ihr und das Bemühen um moralische Genauigkeit – auch in der heutigen Benennung politischer Verbrechen.“

Geschichte der Novemberpogrome

Herschel Grynszpan schoss in Paris am 7. November 1938 auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath. Dieser erlag zwei Tage später seinen Verletzungen. Propagandaminister Joseph Goebbels initiierte daraufhin im gesamten Deutschen Reich in der Nacht vom 9. auf den 10. November eine „spontane“ Vergeltungsmaßnahme in Form eines gegen die jüdische Bevölkerung gerichteten Pogroms. Bekannt wurde es unter dem Namen Reichskristallnacht.

In den aus heutiger Sicht besser als Novemberpogrome bezeichneten Ereignissen, wurden alleine in Österreich in der Nacht vom 9. auf den 10. November 30 Juden / Jüdinnen getötet, 7.800 verhaftet und aus Wien rund 4.000 ins Konzentrationslager Dachau deportiert.

Im gesamten Deutschen Reich wurden vom 7. bis 13. November 1938 etwa 400 Menschen ermordet. Ungefähr 30.000 Juden und Jüdinnen wurden in Konzentrationslager verschleppt. Dort wurden nochmals Hunderte ermordet oder starben an den Folgen der Haft. Fast alle Synagogen – etwa 1.400 – und viele jüdische Friedhöfe in Deutschland und Österreich wurden zerstört.

Die Novemberpogrome stellen den Übergang von der Diskriminierung und Ausgrenzung der Juden / Jüdinnen seit 1933 zur systematischen Verfolgung dar. Nicht einmal drei Jahre später münden die Verbrechen der NationalsozialistInnen in den Holocaust. Weiterlesen

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