Klabund (1890 – 1928)

Foto von Klabund

Klabund – Hermann Henschke

Klabund erkrankt bereits als Jugendlicher an Tuberkulose. Er studiert in München und Berlin Philosophie, Philologie und Theaterwissenschaft. Im Jahre 1913 veröffentlicht er unter dem Titel „Morgenrot! Klabund! Die Tage dämmern!“ seinen ersten Band mit Gedichten. Um diese Zeit beginnt er auch im Simplicissimus, in der Literaturzeitschrift Pan und in der Schaubühne, der späteren Weltbühne zu veröffentlichen.

Im Laufe seines kurzen Lebens veröffentlicht Klabund 76 Bücher, darunter Lyrik, Erzählungen, Romane, Schauspiele, Dramen und Nachdichtungen östlicher Lyrik. Darunter „Der Feueranbeter“, eine Übertragung der Gedichte des persischen Dichters und Mystikers Hafis ins Deutsche.

Der österreichische Schriftsteller Franz Blei schreibt über den Autor:

Der Klabund ist ein überaus buntfarbiger Kugelkäfer, dem seine natürliche Buntheit noch nicht genügt. Wo immer er was Farbiges findet, rollt er sich darin herum, so lange, bis er auf seinen kleinen Stacheln einiges davon aufgespießt hat, was ihn noch bunter erscheinen läßt, als er ist. Solches macht dem Klabunde Spaß.

An der Legendenbildung um seinen Namen arbeitete Klabund eifrig mit, so schreibt er:

Den Namen Klabund schuf ich eines Tages in ernsthaft selbstparodischer Laune, gab ihm aber so viel von meinem Blute, dass er neben und über mir zu leben begann und ganz zum Spiegel meiner Kunst und Weltanschauung wurde… Klabund entstand aus Klabautermann – das ist jenes närrische Meergespenst, das den Schiffern in nebligen Näch­ten Unheil kündend erscheint – und aus Vagabund. Dieser Name deutet auf die vagabundenhaften Tage meiner ersten Studentenzeit …

Vielleicht ist der Ursprung des von ihm gewählten Künstlernamens viel simpler als meist behauptet und er entschied sich einfach für den Namen eines Freundes seines Vaters, des Dr. Klabund, Besitzer der Wilhelms-Apotheke in Frankfurt a. d. Oder.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges begrüßt Klabund diesen noch begeistert und meldet sich freiwillig. Aufgrund seiner Tuberkulose wird er allerdings nicht zum Militärdienst eingezogen. 1917 veröffentlicht die „Neue Zürcher Zeitung“ seinen offenen Brief an Wilhelm II. In diesem fordert er den Kaiser zur Abdankung auf. 1918 bekennt er sich in der von René Schickele geleiteten Zeitschrift „Weiße Blätter“ öffentlich zum Pazifismus. Gleichzeitig ist er allerdings für den militärischen Geheimdienst des Deutschen Kaiserreichs tätig.

Klabund und Irene Heberle

1918 ist auch das Jahr seiner Heirat mit Brunhild Irene Heberle. Das Paar lernte einander in Davos kennen. Beide halten sich dort immer wieder zur Kur ihres Lungenleidens auf.

„Die Oden auf Irene“
Du wandelst unter den Palmen, Silberkind.
Bananenstrauch begrenzte den Blütenweg.
Schon spannt Magnolienbaum den Himmel seiner
Rötlichen Sterne.

Schlingt nicht der See als silberner Gürtel sich
Um deine Kinderschlankheit? Sind Zypressen,
Die dunklen Schwestern, dir nicht zugetan im
Hain von Brissago?

Aber es schwillt der See. Die Blüten stäuben.
Sommer schweift. Die silbernen Reben reifen,
Und an deinen Brüsten saugt ein
Lispelndes Kindlein.

Irene Heberle stirbt noch im Jahr ihrer Heirat nach einer Frühgeburt. Klabund schreibt an seinen Freund Walter Heinrich:

Irene war mir das, was ihr Name besagt: der Friede meiner Seele. Der ist nun dahin. Ich war an ihr reines Herz wahrhaft geflüchtet aus einer unbe­schreiblich schmutzigen Welt. Wir lebten in Monti wie in einer Eremitage nur mit Sternen, Wolken und Tieren. Die Harmonie ihres Wesens war voll­kommen. Sie war ganz eins mit Erde und Gestirn. Gütig, schön, sanft, treu, tapfer — welche Tugenden besaß sie nicht, ganz ohne Kampf als göttliches Ge­schenk?

Klabund beißt, trommelt und schreibt für das Kabarett

Anfang der 20-er Jahre fordert Kurt Tucholsky, die Satire müsse wieder „beißen, lachen, pfeifen und die große, bunte Landsknechts­trommel trommeln lernen, gegen alles, was stockt und träge ist“. Und Klabund beißt, trommelt und schreibt zahlreiche Texte für das Kabarett.

1925 wird Klabunds Drama „Der Kreidekreis“ uraufgeführt. Das Stück ist ein großer Erfolg, sodass Adaptionen folgen: Alexander von Zemlinsky komponiert 1933 auf der Grundlage des Dramas die Oper „Der Kreidekreis“ und Bertolt Brecht verfasst 1948 das Theaterstück „Der kaukasische Kreidekreis“.

Als Klabund das Gedicht „Die heiligen drei Könige“ veröffentlicht, ist er umfangreichen Anfeindungen, insbesondere durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Er reagiert darauf mit einem „Offenen Brief“ an die Nationalsozialistische Freiheitspartei Deutschlands:

„… Ein Gedicht von mir: ‚Die heiligen drei Könige‘ hat, so erklären Sie, Ihr religiöses Gefühl verletzt, und Sie rufen gegen dieses Gedicht, Kanonen gegen einen Sperling, den Staatsanwalt auf. Ich bin, so darf ich wohl sagen: entzückt, daß es in dieser stumpfen, dumpfen Zeit noch Menschen gibt, die durch ein Gedicht, ein Kunstwerk also, im tiefsten Herzen erregt und erschüttert werden. (…)

Was also, meine Herren von der Reaktion, Ihre Reaktion auf mein Gedicht betrifft, so bin ich durch sie sehr beglückt. Was aber nun die Folgerungen angeht, die Sie aus Ihrem erregten Zustand zu ziehen belieben, so muß ich vor Allem meiner höchsten Verwunderung darüber Ausdruck geben, daß Sie, meine Herren vom Hakenkreuz, in deren Reihen dem altgermanischen Wodanskult das Wort geredet wird, für die das Paradies in Mecklenburg liegt, und die sich über den schlappen Christusglauben so oft offenkundig lustig gemacht haben – daß Sie, meine Herren Heiden, die allenfalls für Wodanslästerung zuständig wären, daß ausgerechnet Sie für den von Ihnen immer über die Achsel angesehenen Christengott eintreten und über Gotteslästerung wehklagen.

Und was ist das für eine „Gotteslästerung?“ Ich kann in dem fraglichen, inkriminierten Gedicht weit und breit keine Gotteslästerung finden – dagegen finde ich bei Ihnen, die sich so gern als Deutscheste der Deutschen bezeichnen, eine gradezu hanebüchene Unkenntnis deutscher Volksbräuche. Denn das Gedicht ,Die heiligen drei Könige‘ bezieht sich gar nicht, wie von Ihnen wohl angenommen, auf die drei Weisen aus dem Morgenland, sondern auf einen am Heiligendreikönigstag in vielen Gegenden Deutschlands geübten Brauch: da ziehen nämlich, als heilige drei Könige karikaturistisch kostümiert, drei Burschen im Dorf herum, um mit mehr oder weniger ruppigen Versen bei den Bauern Bier und Schnaps zu schnorren. Diese Verse sind derb, frech, witzig – aber gotteslästerlich? Du lieber Gott! Ich glaube, du hast deine rechte, recht göttliche Freude an ihnen. Denn du bist ja kein nationalsozialistischer Abgeordneter. (…)

Seine letzten Jahre und die Bücherverbrennung 1933

1925 heiratet Klabund in zweiter Ehe die Schauspielerin Caroline Neher.
1928 erkrankt er an einer Lungenentzündung, diese wird im Zusammenspiel mit seiner Tuberkulose lebensbedrohlich. Er begibt sich zur Behandlung nach Davos, wo er kurz darauf an der Seite seiner Frau verstirbt. Er wird in seiner Geburtsstadt Crossen, dem heutigen Krosno Odrzańskie beigesetzt; die Grabrede hält sein Freund Gottfried Benn.

Als sogenannte Asphaltliteratur werden seine Bücher ab 1933 von den Nationalsozialisten auf die „Schwarze Liste“ gesetzt und verbrannt.

Nähere Informationen zum Thema Bücherverbrennung und Exilliteratur finden Sie im Wiener Bücherschmaus im Beitrag Bücherverbrennung 1933 und auf „80 Jahre Bücherverbrennung in Salzburg“.

Weiterführende Links:

Ich würde sterben, hätte ich nicht das Wort: umfangreichen Infos über Klabund, die damalige Zeit und seine WeggefährtInnen.
Klabunds Werke sind im Elfenbein-Verlag in 9 Bänden erschienen.

Deutschsprachige Exilliteratur im Überblick

Alle Einzelbeiträge über AutorInnen der deutschsprachigen Exilliteratur im „Wiener Bücherschmaus finden Sie auf der Seite Exilliteratur.

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Fotoquelle: Das Foto von Klabund ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland“ lizenziert. Namensnennung: Bundesarchiv, Bild 102-06394 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0