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Wiener Zeitung vor der Einstellung

Die Wiener Zeitung – das Ende einer Qualitätszeitung?

Titelseite der Wiener Zeitung vom 25. November 2022Die Wiener Zeitung wurde unter dem Namen Wienerisches Diarium gegründet. Ihre erste Ausgabe erschien am 8. August 1703.

Nun steht sie als Tageszeitung vor der Einstellung. Die Regierung plant, die Wiener Zeitung in Zukunft nur mehr zehn Mal im Jahr erscheinen zu lassen. Hintergrund für die geplante Änderung des Geschäftsmodells ist die Abschaffung der Pflichtveröffentlichungen in gedruckter Form im Amtsblatt der Wiener Zeitung. Diese machen einen großen Teil der Einnahmen aus und werden voraussichtlich mit Jahresende der Vergangenheit angehören.

Stimmen für den Erhalt der Wiener Zeitung

Als eine der ganz wenigen Qualitätszeitungen in Österreich stellt sie ein Leuchtturmprojekt in der vom Boulevard beherrschten Presselandschaft dar. Die Wiener Zeitung bietet Raum für verschiedene Meinungen und differenzierte Berichterstattung. Ihre Einstellung würde eine große Lücke hinterlassen.

Der FALTER-Herausgeber Armin Thurnher schreibt zum Thema Wiener Zeitung: „Warum müsste die Republik diese Zeitung erhalten? Nicht, weil eine gedruckte Zeitung als solche ein zivilisatorischer Wert ist. Aber beim Stand der Dinge stellt ihr Erscheinen ein Symbol der Zivilisation dar. (…) Digitalisierung ist unvermeidlich, aber sie muss zuerst einmal reflektiert stattfinden. Solang das Gegenteil der Fall ist, scheinen gedruckte Zeitungen und Zeitschriften deswegen ein Symbol zumindest des Einhalts zu sein, weil sie im Fluss ständiger Aktualisierungen eine andere Möglichkeit zeigen.“

Prof. Otto Petrovic (Universität Graz) über die Zeitung: „Ihre Blattline, ihre Blase ist, dass sie keine hat. Sie lässt ein breites Spektrum an Themen, Perspektiven und Bewertungen zu, solange sie innerhalb des demokratisch legitimierten Spektrums liegen. Das eigene Bild kann sich die Leserin, der Leser selbst machen. Er bekommt seine mündige Deutungshoheit zurück und erhöht dadurch täglich seine in der Welt des Digitalen so dringend notwendige Medienkompetenz.“

„Dieser Gesetzesentwurf ist destruktiv und bringt dem österreichischen Medienstandort weniger Vielfalt und weniger Qualität“, urteilte Josef Trappel, Leiter des Fachbereichs Kommunikationswissenschaft an der Uni Salzburg. Es handle sich um nichts anders als „die in einen Gesetzesentwurf gegossene Auflösung der ‚Wiener Zeitung‘ nach 320 Jahren“.

Eine Resolution der Redaktion der Wiener Zeitung

Die Redaktion fordert in einer Resolution, dass der Eigentümer „Verantwortung für sein Eigentum“ übernehmen müsse. Die ‚Wiener Zeitung‘ hat sich in den vergangenen 20 Jahren zu einer der besten Qualitätszeitungen des Landes entwickelt. Auch die Digitalisierung der ‚Wiener Zeitung‘ beginnt nicht mit 2022, wie die Vorhaben des Eigentümers andeuten“, hielten die Redakteurinnen und Redakteure fest.

Erklärung für den Erhalt der Wiener Zeitung

Ergänzend zur folgenden Erklärung haben Sie online auf aufstehen.at die Möglichkeit, sich für den Erhalt der Wiener Zeitung einzusetzen.

Der Wiener Bücherschmaus unterstützt die Erklärung der IG Autorinnen Autoren und ersucht um deren Unterzeichnung.
Die Unterstützungserklärungen senden Sie bitte an Gerhard Ruiss: g.ruiss@literaturhaus.at

Kunst- und Kultureinrichtungen und Kunst- und Kulturverbände für den Erhalt der Wiener Zeitung

Die Wiener Zeitung ist die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt. Sie hat Maria Theresia erlebt und Mozart, die Glanzzeiten der Donaumonarchie und ihren Untergang, die Zerstörung der Republik und ihre Wiedererrichtung. Sie steht für Objektivität, Seriosität, Journalismus und Feuilletons auf höchstem Niveau. Ihrer Redaktionslinie ist sie von ihrer Gründung an treu geblieben, „alles Denkwürdige aus dem eigenen Land, anderen Ländern und der ganzen Welt ungeschönt zu berichten“. Für Hugo Portisch war sie ein „europäisches Blatt“, ein „lesenswertes Stück Österreich“ und „Weltgeist“. Ihre Bestände wurden 2016 in das UNESCO-Dokumentenerbe „Gedächtnis der Menschheit“ aufgenommen.

Ihre Eigentümerin ist die Republik Österreich. Sie gehört uns allen. Nun hat die Österreichische Bundesregierung einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der ihre Einstellung vorsieht.

Wir treten mit allem Nachdruck für die Zurücknahme dieses Gesetzesentwurfs und die dauerhafte Absicherung des Weiterbestands der Wiener Zeitung ein.

Die Wiener Zeitung ist nicht einfach nur irgendeine Zeitung, sie ist eine weltweit einzigartige kulturelle Einrichtung.

IG Autorinnen Autoren, Wien

Weitere Unterstützungserklärungen:

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Wiener Zeitung – weiterführende Infos

„Wiener Zeitung“ muss nach 320 Jahren tägliche Druckausgabe einstellen. Älteste Zeitung der Welt soll online erhalten bleiben, Regierung einigt sich auf neue Medienförderung.

Offener Brief: „Wiener Zeitung“: Autorinnen und Autoren protestieren gegen Einstellung der Tageszeitung.

Die Zukunft der „Wiener Zeitung“ – geht es nicht um mehr?

Fotoquelle:

Creative Commons-Lizenz Namensnennung 4.0 International lizenziert. Das Foto kann bearbeitet und frei weiterverbreitet werden. Die Form der Namensnennung: „Wiener Bücherschmaus — Verein für Leseförderung und Buchkultur: https://buecherschmaus.wien”.

Sie haben eine Frage oder Anregung? E-Mail an den Wiener Bücherschmaus

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