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75 Jahre Hiroshima

In Erinnerung an die unzähligen Toten in Hiroshima und Nagasaki

Die Hiroshima-Gruppe Wien und weitere Initiativen organisieren am 75. Jahrestag des Atombombenabwurfes auf Hiroshima, Donnerstag, 6. August 2020, 17:00 Uhr am Wiener Stephansplatz eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der Atombombenabwürfe 1945 und die weiteren Opfer militärischer und ziviler Anwendung der Atomtechnologie sowie für die totale Abschaffung aller Atomwaffen.

„Ihre Gesichter waren komplett verbrannt, ihre Augenhöhlen leer, die Flüssigkeit aus ihren geschmolzenen Augen war über ihre Wangen geronnen.“ Pater Wilhelm Kleinsorge über seine Begegnung mit einer Gruppe von Soldaten, die ihm in den Trümmern von Hiroshima begegneten.

Foto des Atombombenabwurfes auf Hiroshima Zuvor wirft am 6. August 1945 um 8:15 Uhr Ortszeit der B-29-Bomber „Enola Gay“ – benannt nach der Mutter des Piloten Oberst Paul W. Tibbets – über dem Stadtkern von Hiroshima „Little Boy“ ab. Die Atombombe setzt die Zerstörungskraft von 15.000 Tonnen TNT frei. Es entsteht ein Feuerball mit einer Innentemperatur von über einer Million Grad Celsius. Noch in über zehn Kilometern Entfernung gehen Bäume in Flammen auf und die radioaktive Strahlung legt sich über die Stadt und ihre Umgebung.

Der Oberst wird sich Jahrzehnte später im Interview mit dem National Public Radio über den Abwurf der Bombe auf Hiroshima erinnern: „Ich sah den Himmel vor mir in allen Farben erstrahlen. (…) Und dort, wo wir auf dem Hinflug die Stadt gesehen hatten, sah ich nun nichts als brennenden Schutt, Feuer und Rauch.“ 1

50 Jahre nach dem Einsatz meint der Navigator der B-29, Theodore van Kirk: Hiroshima habe nach dem Abwurf der Bombe „wie ein Topf voll heißen, kochenden Teers“ ausgesehen.

Zwei Tage nach dem Fall der Bombe auf Hiroshima, am 9. August 1945, stürzt die Plutoniumbombe „Fat Man“ mit einer Sprengkraft von 22.000 Tonnen auf Nagasaki.

Beide Bomben bedeuteten für weit über 200 000 Menschen den Tod. Die Opfer in Hiroshima und Nagasaki sind vor allem ZivilistInnen und koreanische ZwangsarbeiterInnen.

Am 15. August 1945 um 16:00 Uhr hält Tennō Hirohito eine in ganz Japan ausgestrahlte Radioansprache, in der er die bedingungslose Kapitulation des japanischen Kaiserreichs vor den Alliierten bekannt gibt.

Für eine starke Friedensbewegung

Die Weltuntergangsuhr steht 2020 auf 100 Sekunden vor 12! Diese Initiative von renommierten WissenschaftlerInnen warnt: „Wir sind so kurz vor Mitternacht und dem Weltuntergang so nah wie noch nie zuvor. Die Ursachen für diese für die gesamte Menschheit bedrohliche Situation sind Atomwaffen und Klimawandel.“

Es ist ein Gebot der Stunde, sich für ein friedliches Miteinander einzusetzen und sich nicht gemeinzumachen mit der oftmals einseitigen und undifferenzierten Berichterstattung der (Qualitäts-)Medien.

Literatur zum Thema Atomkrieg

Die folgenden Bücher stehen beispielhaft für die literarische bzw. philosophische Reflexion von Krieg und den Auswirkungen der Atombombe. Sie können über den „Wiener Bücherschmaus“ bezogen werden.

Karl Bruckner: Sadako will leben. G&G Verlag, 1. Neuauflage 2005. „Sadako Sasaki erlebt als Vierjährige den Atombombenabwurf über Hiroshima. Sie wird verschüttet. Ihr Bruder Shigeo kann sie befreien und beiden geschieht nichts. 10 Jahre später: Sadako, eine begeisterte Radfahrerin, wird bei einem Rennen von einer plötzlichen Schwäche befallen und es stellt sich heraus, dass sie an der Strahlenkrankheit leidet. Wie eine alte japanische Sage erzählt, wird man gesund, wenn man 1000 Kraniche aus Papier faltet. Sadako klammert sich an die Sage und an das Leben, selbst als die Ärzte sie aufgegeben haben. Unbeirrt arbeitet sie an den Kranichen, doch beim 990 versagen ihre Kräfte …“

Günther AndersIn die „Die Antiquiertheit des Menschen“ setzt sich der Philosoph und Schriftsteller Günther Anders mit dem vom Menschen gemachten technischen Fortschritt und seinen Auswirkungen auf Psyche und Gesellschaft auseinander. Er sieht den Menschen vom Fortschritt überfordert und darum als „antiquiert“. Die Welt wird durch Fernsehen und Rundfunk verfälscht wahrgenommen. Produkte stillen nicht Bedürfnisse, sondern wecken diese erst. Mit dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima zeigt der Mensch nahezu göttliche Macht und im Zeitalter der Technik wird alles, was machbar ist, auch gemacht.

Kurt Vonnegut schreibt in seinem Buch „Schlachthof 5″ über die Zerstörung von Dresden im Zweiten Weltkrieg, die er als amerikanischer Kriegsgefangener miterlebte. Vor allem schreibt er über die Zerstörung eines Menschen, der überlebte und darüber berichtet. „Das Buch ist voll von Anekdoten und Geschichten, die von der Absurdität des Daseins berichten und von der Grausamkeit, die Menschen einander fortgesetzt zufügen … Es ist ein Buch gegen die Unmenschlichkeit …“ Hans Sahl in „Die Welt der Literatur“.

An die Hölle Verraten: „Michael Herrs Kriegsbericht über Vietnam ist nicht nüchtern, ausgewogen, abgerundet. Er ist verzerrt: von den Verhältnissen, unter denen er schreibt, im Hubschrauber, im Schützengraben, im Bunker. Er meidet die Pressekonferenzen, auf denen die Generäle ihre Siege feierten, die in der Nacht zur Niederlage wurden. Herr macht sich gemein mit den Soldaten, die irgendwo aus dem Mittelwesten … zwangsverpflichtet wurden, im Dschungel Indochinas einen Gegner zu vernichten, dessen politische Ziele sie nicht einmal kannten.“ Hessischer Rundfunk. Ein Buch über die Realität des Krieges im 20. Jahrhundert, nicht nur in Vietnam.

1 Die Presse: 70 Jahre Hiroshima: „Ihre Gesichter verbrannt, ihre Augen leer.“

Gemeinfreies Foto des Atompilzes von „Little Boy“ über Hiroshima (6. August 1945) von George R. Caron – Diese Datei ist im Bestand der National Archives and Records Administration verfügbar, katalogisiert unter dem National Archives Identifier (NAID) 542192.

Sie haben eine Frage oder Anregung? E-Mail an den Wiener Bücherschmaus

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