Peter Hille (1885 – 1904)

Die Weihnachtsfee

Und Frieden auf Erden den Menschen,
die eines guten Willens sind.

Suchende Sterne ins eilende Haar,
Frierende Sterne, schmelzend zergangen
Über den wunderfeiernden Wangen,
Und die Augen von Liebe so klar.

Wie Glocken klar, wie Reif so rein
Und so duft und so jung und blühend vor Güte
Tau der Frühe himmlische Blüte
Wie Rosen und wie Fliederschnein.

Da steigen die Hände, ein bettelndes Meer,
Augen dunkeln nach Geschenken,
Mir! Mir! Mir! Mich musst du bedenken!
So steigen die bettelnden Teller her.

Dunkel wird’s, ein Wundern steht
Strenge in der Feenseele,
Wie wenn rohe Nacht das Leuchten quäle,
Und Ernst in die Güte der Augen geht.

Und es spricht wie klares Licht
Aus dem milden Angesicht:
Geben euch? Was soll ich euch geben,
Alle Wunder habt ihr ja hier,
Eine Erde die könnt hegen ihr,
In euch selber will der Himmel leben.

Kinder, ihr wünscht,
So könnt ihr ja geben
Und selig sein und selig machen,
Und innig sein wie Kinderlachen
Und wie wir von Wundern leben.

Tuet frohe Liebesgaben
Einer in des anderen Hand,
Tuet ab das Geizgewand
Und ihr pflücket alles Haben.

Peter Hille (1885 – 1904)

Peter Hille gemalt von LovisCorinth 1902

Peter Hille

Peter Hille wird 1854 in Erwitzen, heute ein Bezirk der Stadt Nieheim in Nordrhein-Westfalen geboren.
Er kommt nach seiner Mutter. Über seine Erinnerungen an sie schreibt er: „Wie sie mir durch’s Haar strich, und ich wartete dann, ob nicht was übermünden wollte von ihrer mutterguten Seele auf meine Einsamkeit und früh entronnen Sehnen“.

Peter Hille – Jugendjahre

So ist es nur logisch, dass der sensible Peter Hille mit der in der Schule herrschenden preußischen Zucht und Ordnung in Konflikt gerät. Er fühlt sich der Dichtkunst und der Philosophie verpflichtet. Mit Freunden gründet er die Schülerzeitung Satrebil. Kehrt man die Buchstabenfolge um, entsteht das Wort Libertas (Freiheit). Sein Deutschprofessor erkennt zwar sein Talent, kann aber nicht helfen. Unter einem Aufsatz von Peter Hille schreibt er: Lieber Hille, sie sind der begabteste meiner Schüler. Vielleicht ist ihr Aufsatz der tiefste. Ich verstehe ihn nicht immer. Aber vom Schulstandpunkt aus muß ich ein ungenügend darunter schreiben. Ich möchte nur weinen über sie. Sie haben einen schweren, schweren Lebensweg vor sich.

Peter Hille muss das Gymnasium wegen ungenügenden Leistungen frühzeitig verlassen. Sein Vater vermittelt ihm eine „ordentliche“ Arbeit als Gerichtsschreiber. „Geistige Enge und Philisterart“ treiben ihn nach Leipzig. Dort besucht er Vorlesungen in Philosophie, Literatur und Kunstgeschichte. Nachdem er keine ihm entsprechende Arbeit findet, führt ihn sein Weg zu seinen Schulfreunden Julius und Heinrich Hart nach Bremen. Diese geben die Zeitschrift Deutsche Monatsblätter heraus. Peter Hille schreibt für die Zeitschrift, kann sich aber finanziell kaum über Wasser halten.

Die Wanderjahre des Peter Hille

Als seine Mutter stirbt, bricht er, versehen mit einer kleinen Erbschaft nach England auf. London erlebt er einerseits als einen Moloch, in dem unzählige Menschen verschlungen und in den Elendsvierteln Londons wieder ausgespien werden. Andererseits lernt er die Stadt als einen Kosmos des Wissens kennen und verbringt unzählige Stunden in der Bibliothek des Britischen Museums.

Peter Hille zieht weiter nach Holland, lebt in Rotterdam, später in Amsterdam. Er gibt Sprachunterricht und schreibt. Mit dem letzten Geld aus seiner Erbschaft steigt er als Teilhaber einer holländischen Theatertruppe ein und scheitert. Mittellos geht Peter Hille gemeinsam mit einem 15-jährigen Mädchen nach Münster. Er möchte Libbeth, so heißt das Mädchen heiraten. Die deutschen Gesetze stehen allerdings auch damals einem solchen Ansinnen engegen. So setzt Peter Hille das Mädchen in den Zug nach Amsterdam und macht sich auf den Weg nach Berlin, der literarischen Hauptstadt des Deutschen Reiches. Er wird Mitarbeiter der Berliner Monatsheften für Literatur, Kritik und Theater, die die Brüder Hart herausgeben. Trotz aller Bemühungen kann er sich vorerst in Berlin nicht etablieren und geht nach Bad Pyrmont in Westfalen.

Seine Tantiemen erlauben es ihm zu diesem Zeitpunkt in einer feinen Pension abzusteigen. Heinrich Hart schreibt er: „Angekommen im wunderbar schönen, traurig schönen, etwas verblichenen Pyrmont. Wohne göttlich, erhaben-stilvoll, schwarze, rot-gepolsterte Lehnsessel, Himmelbett, Arbeits- und Schlafzimmer, Thee, Aufschnitt, Braten pp. Allerdings teuer …“ Die nächsten vier Jahre sind sehr produktiv und 1887 erscheint Die Sozialisten, sein erster Roman. Daneben schreibt er zahlreiche Essays und Erzählungen. Die Honorare für seine Arbeit füllen seinen Geldbeutel allerdings nur sehr bescheiden. Er geht wieder auf Reisen, besucht die Schweiz und Italien und verbringt, bevor er nach Berlin zurückkehrt, ein Jahr bei seinem Bruder in Hamm.

Peter Hille in Berlin

In Berlin steht er anfänglich im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße. In der von den Brüdern Hart gegründeten „Neue Gemeinschaft am Schlachtensee“, die über ein eigenes Haus verfügt, hat Peter Hille ein eigenes Zimmer und findet dort geistigen Austausch mit Persönlichkeiten wie Martin Buber, Gustav Landauer, Rudolf Steiner, Erich Mühsam und Edvard Munch.
Der Lyrikerin Else Lasker-Schüler wird Peter Hille zum literarischen Mentor. Gemeinsam gründen Sie ein literarisches Kabarett unter dem Namen Teloplasma.

Erich Mühsam schreibt über Peter Hille: „Wenn irgendein Mensch, der mir begegnet ist, als Genie bezeichnet werden darf, so Peter Hille. Alle Geschichten, die man von ihm erzählt, stammen aus den Eigenschaften übrigens, die ihn als typischen Vertreter jener Bohème erkennen lassen, die unter den Wirrnissen der Gegenwart verschwunden zu sein scheint. Diese Eigenschaften, deren Personifizierung Peter Hille war, sind: Leben aus der Eingebung des Augenblicks, Hingabe an Welt und Menschheit, Verbundenheit mit allen Leidenden im Wissen um Freiheit und Glück.“

Noch keine 50 Jahre alt, stirbt Peter Hille am 7. Mai 1904. Sein Ehrengrab liegt auf dem St.-Matthias-Friedhof in Berlin-Lichterfelde.