Der Überfall auf die Sowjetunion

Unternehmen Barbarossa

Vor nunmehr 85 Jahren, am 22. Juni 1941, beginnt unter dem Codenamen „Unternehmen Barbarossa“ der Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion. Von der Ostsee im Norden bis zum Schwarzen Meer im Süden fällt das nationalsozialistische Deutschland mit rund drei Millionen Soldaten, unterstützt von weiteren Kräften aus verbündeten Staaten sowie von faschistischen Freiwilligenverbänden, in die Sowjetunion ein.

Die Nationalsozialismus entfesselte einen politisch, wirtschaftlich und rassenideologisch motivierten Vernichtungskrieg gegen den „sowjetischen Untermenschen“. Das Ziel ist die Kolonisierung und Germanisierung des „Ostens“ sowie die Ermordung von Millionen Menschen, da diese für die zukünftige Siedlungsstruktur als „ungeeignet“ gelten. Die Überlebenden sollen anschließend unter sklavenartigen Bedingungen, vor allem in der Landwirtschaft, arbeiten.

„Vom Bolschewismus darf nichts mehr übrig bleiben. Der Führer hat die Absicht, Städte wie Moskau und Petersburg ausradieren zu lassen. Es ist das auch notwendig. Denn wenn wir schon Rußland in seine einzelnen Bestandteile aufteilen wollen, dann darf dieses Riesenreich kein geistiges, politisches oder wirtschaftliches Zentrum mehr besitzen.“

Joseph Goebbels Tagebücher 1940–1942. Band 4 Einführung 1924–1929. Hrg. Ralf Georg Reuth, Piper Verlag, Eintrag vom 1. Oktober 1941, Seite 1625.

Die Allmachtsfantasien der Nationalsozialisten scheitern im Grunde genommen bereits wenige Monate nach Beginn des Angriffs, im Dezember 1941, vor Moskau. Danach dauert es allerdings noch fast dreieinhalb Jahre, bis die Rote Armee Berlin einnimmt und gemeinsam mit den anderen Alliierten dem nationalsozialistischen Staat ein Ende setzt.

27 Millionen Tote

Der Weg dorthin ist für die Sowjetunion ein blutiger. Drei Millionen Kriegsgefangene sterben in deutschen Lagern, Millionen Menschen werden als Arbeitssklaven ins Deutsche Reich verschleppt.
Der monströse Vernichtungswille der Nationalsozialisten kostet insgesamt zirka 27 Millionen Sowjetbürgern, die Mehrzahl von ihnen Zivilisten, das Leben. Allein während der 872-Tage dauernden Belagerung Leningrads (St. Petersburg) durch die Wehrmacht sterben zirka eine Million Bürger und Bürgerinnen der Stadt.

Georg Schober: Ende der Blockade von Leningrad – Befreiung von Auschwitz, Wiener Bücherschmaus, 2. Februar 2024.

Fehlende Gedenkkultur und Geschichtsvergessenheit

In der Gedenkkultur Deutschlands und Österreichs nach 1945 spielt der Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 von Anfang an eine untergeordnete Rolle. Gegenwärtig ist er aus der öffentlichen Wahrnehmung nahezu verschwunden. Die Erinnerung an die Verbrechen der SS und der Wehrmacht steht im Widerspruch zur verordneten „Zeitenwende“ und wird still und leise unter den Teppich gekehrt.

Russophobie in Kombination mit einem gerüttelten Maß an Geschichtsvergessenheit machen Wortmeldungen wie jene der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas möglich, die weitgehend unwidersprochen über den Sieg gegen Russland und dessen „Aufteilung in kleinere Staaten“ schwadronieren darf.

Glenn Diesen: EU Foreign Policy Chief, Kaja Kallas, on defeating Russia and breaking it up into smaller nations (Post auf X vom 26.01.2025).

Militarisierung der Gesellschaft

Die Dreieinigkeit von Medien, Politik und Militär arbeitet indes in der westlichen Wertegemeinschaft konsequent an der Militarisierung der Gesellschaft und bringt Europa Schritt für Schritt den Untergang näher. Während bei Kultur und Bildung sowie im Sozialbereich gespart wird und Diplomatie in den zwischenstaatlichen Beziehungen mit Russland keine Rolle spielen darf, explodieren die Ausgaben für das Militär. Die Rüstungsindustrie und ihre Aktionäre haben Grund zur Freude.

Wem die Menschheit am Herzen liegt, sollte auf die Macht der Diplomatie setzen und nicht vergessen, dass ein Krieg mit Russland sehr wahrscheinlich zu einer atomaren Auseinandersetzung mitten in Europa führen würde.

Literatur- und Linkliste

„Der Film „Steh auf, es ist Krieg“ von Hartmut Kaminski besteht aus 6 Teilen à 45 Min.

Der Film versucht den Ereignissen im 2. Weltkrieg nachzugehen: dem Überfall auf die Sowjetunion 1941, der Besetzung Weißrusslands und dem Rückzug der deutschen Truppen bis 1944. Es ist kein Film über berühmte Schlachten, kriegerische Strategien, Operationen und Taktiken, sondern mündlich überlieferte Geschichte, erzählt von Opfern und Tätern. Der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilmer Hartmut Kaminski hat vier Jahre lang sowjetische und deutsche Zeitzeugen aufgesucht, befragt und ihre Geschichten in Bilder umgesetzt.

Beitrag von Leo Ensel vom 20. und 22. Juni 2026 auf den „Nachdenkseiten“: Vernichtungskrieg (I): „Der russische Magen ist dehnbar“ – Vor 85 Jahren überfiel Hitlers Wehrmacht die Sowjetunion. Vernichtungskrieg (II): „Jeden totschießen, der nur schief schaut“ – Vor 85 Jahren überfiel Hitler-Deutschland die Sowjetunion.

Gerd R. Ueberschär: Das „Unternehmen Barbarossa“gegen die Sowjetunion – ein Präventivkrieg? Zur Wiederbelebung der alten Rechtfertigungsversuche des deutschen Überfalls auf die UDSSR 1941. Aus: Wahrheit und „Auschwitzlüge“. Zur Bekämpfung „revisionistischer“ Propaganda, hrsg. von Brigitte Bailer-Galanda, Wolfgang Benz und Wolfgang Neugebauer, Wien 1995, S. 163–182)

Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) 24/1991: Andrej N. Mercalov: Der 22. Juni 1941: Anmerkungen eines sowjetischen Historikers

Hans Schafranek / Robert Streibel (Hrsg.): 22. Juni 1941. Der Überfall auf die Sowjetunion. Picus-Verlag, Wien 1991, 190 Seiten.

Kurt Pätzold: Der Überfall. Der 22. Juni 1941: Ursachen, Pläne und Folgen, 2016. Buch. 254 S., Das Neue Berlin.

Bundesarchiv: Unternehmen Barbarossa – Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion 1941 in den Quellen des Heeres und der Waffen-SS

Fotoquelle:

Foto 1: Ein Luftabwehrposten auf dem Dach des Hotels „Moskau“. Aufnahmeort: Moskau. Aufnahmezeitpunkt: 1941. Via waralbum.

Foto 2: Entsendung sowjetischer Soldaten und Kommandanten an die Front. Aufnahmezeitpunkt: Juni 1941. Autor: Dmitri Tschernow. Via waralbum.

Schreibe einen Kommentar