Israel: Christlicher und jüdischer Zionismus und die Folgen

Ein sachlicher und offener Diskurs ist nicht nur im Zusammenhang mit den Themen Israel und Zionismus die Grundlage jeder fundierten Meinungsbildung. Dass dabei Denk-, Schreib- und Redeverbote nichts zu suchen haben, sollte für eine sich als demokratisch verstehende Gesellschaft selbstverständlich sein. In diesem Sinn bieten die folgende kurze Einleitung und vor allem das gleichnamige PDF „Israel: Christlicher und jüdischer Zionismus und die Folgen“ ein Angebot zum Nach- und Weiterdenken.

Das PDF vermittelt sowohl historisches Wissen über den Zionismus, als auch über den palästinensischen Widerstand. Dabei spannt es den Bogen vom Sykes-Picot-Abkommen, der Balfour-Deklaration und dem britischen Völkerbundmandat über Moses Heß und Theodor Herzl bis hin zur Bewegung des Antizionismus, der Verantwortung der europäischen Politik und den Perspektiven eines friedlichen Zusammenlebens der jüdischen und palästinensischen Bevölkerung unter dem Motto „From the River to the Sea“.

Informationen zum Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, zur Definition von Antisemitismus durch die IHRA (International Holocaust Remembrance Alliance) und deren Alternativen sowie zur BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestition und Sanktionen) und zum israelischen Ministerium für strategische Angelegenheiten und Hasbara finden Sie unter anderem im Wiener Bücherschmaus unter dem Titel „Israel und Palästina – Zionismus versus Antizionismus“.

Die Wurzeln des Zionismus

Der Zionismus wurzelt ursprünglich im christlichen Glauben und wird erst am Ende des 19. Jahrhunderts jüdisch. Nach Palästina transferiert, ist er von europäischer kolonialer Denkweise und ethnischem Nationalismus geprägt.

Im Vordergrund Stacheldraht im Hintergrund die Altsdtadt von Jerusalem mit der Al-Aqsa-Moschee.

Der Begriff Zionismus wird 1880 als Selbstbezeichnung für die jüdische Nationalbewegung vom österreichisch-jüdischen Autor und Intellektuellen Nathan Birnbaum (1864–1937) in die Debatte eingeführt. Als Bezugspunkt für die Namensgebung dient der Berg Zion in Jerusalem.

Der Gründer des politischen Zionismus, Theodor Herzl, initiiert 1897 den ersten zionistischen Weltkongress. Insbesondere religiöse Juden lehnen den Zionismus damals ab, da er ihnen als Widerspruch zu ihrer messianischen Erwartung gilt. Daher kann der erste Zionistenkongress nicht wie geplant in München stattfinden und muss nach Basel verlegt werden. Die rund 200 Delegierten, vor allem aus Europa und den USA, beschließen die Schaffung eines „Judenstaates“, gründen die World Zionist Organisation und wählen Theodor Herzl (1860–1904) zu deren Präsidenten.

Theodor Herzl sieht den Zionismus als ein Instrument zur Kolonialisierung Palästinas unter jüdischen Auspizien. Er präsentiert den angestrebten Staat als ein für die europäischen Eliten nützliches und stabilisierendes Projekt. Herzl vergisst dabei nicht, auf die Gefahr hinzuweisen, die vom revolutionären Potential des jüdischen Proletariats für den Status quo in Europa ausgeht. Mit dem Zionismus legt er zugleich ein Angebot, diese Kräfte zu kanalisieren und für den Aufbau eines „Judenstaates“ nach Palästina zu transferieren.

Im Vordergrund ein Kind, dahinter ein zerbombtes Gebäude

Zionismus und Völkermord

Der Zionismus hat das zuvor weitgehend harmonische multiethnische Zusammenleben in Palästina zerstört. Er setzt bis heute auf die Errichtung eines exklusiven jüdischen Staates. Sein Ziel ist ein Großisrael, das sich in seiner Minimalvariante zwischen Mittelmeer und Jordanfluss, einschließlich des derzeit besetzten Westjordanlandes (Judäa und Samaria) und Gaza, erstreckt. Männer wie Finanzminister Bezalel Smotrich sehen ihr Großisrael sogar zwischen Nil und Euphrat verortet.

Im Verlauf der Nakba (Katastrophe) zwischen 1947 und 1949 werden zahlreiche unbewaffnete palästinensische Dorfbewohner massakriert, und mindestens 750 000 Palästinenser und Palästinenserinnen vertrieben. Landraub, zeitlich unbegrenzte Administrativhaft sowie „Kollateralschäden“ in Form von Todesopfern gehören seitdem zum Alltag der israelischen Besatzungspolitik. Nach dem Angriff der Hamas und verbündeter Organisationen am 7. Oktober 2023 hat diese Entwicklung weiter an Dynamik gewonnen: Zusätzlich zu den über 72.000 Toten und unzähligen Verletzten durch die Angriffe der israelischen Armee (IDF) im Gazastreifen sterben bis heute täglich Menschen, sei es durch israelische Scharfschützen oder infolge fehlender medizinischer Versorgung von Kranken.

Darüber hinaus hat das Bombardement des Gazastreifens sowie die Besetzung von etwa 70 % der Enklave nach den zuletzt verfügbaren UN-Daten vom November 2024 rund 1,9 Millionen Menschen zu Binnenflüchtlingen gemacht. Auch im Westjordanland wird die palästinensische Bevölkerung unterdrückt, gedemütigt und aus ihren Dörfern, von ihren Feldern und Weideland vertrieben und getötet. Im Libanon sind laut dem Sprecher der Vereinten Nationen Stéphane Dujarric nach den israelischen Angriffen über eine Million Menschen auf der Flucht.

Ein Mann und ein Kind mit der Flagge Palästinas im Gazastreifen

Die Verantwortung Europas

Die EU als größter Warenhandelspartner Israels hätte die Möglichkeit, wirtschaftlichen und politischen Druck auf Israel auszuüben. Allerdings wird diese Option von den Entscheidungsträgern konsequent unterlaufen. Die Sanktionierung einiger weniger Einzelpersonen und einer kleinen Zahl rechtsradikaler jüdischer Organisationen wie Hilltop oder Lehava hält die mörderische Politik Israels nicht auf. Es bedarf entschlossener Maßnahmen, wie der Aussetzung des Handelsabkommens zwischen der EU und Israel. Damit würde die auf zahlreiche Waren gewährte Zollfreiheit der Vergangenheit angehören und Israel wäre gezwungen, Zölle wie jedes andere Drittland zu entrichten.

Aussetzung des Handelsabkommens zwischen der EU und Israel

Die „Europäische Bürgerinitiative zur Aussetzung des Handelsabkommens zwischen der EU und Israel“ hat Ende Juni 2026 europaweit bereits über eine Million zweihunderttausend Unterschriften überschritten und kann bis 13. Jänner 2027 unterzeichnet werden. Unter ihren Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern befinden sich mehr als 400 hochrangige ehemalige Diplomaten, Politiker und EU-Beamte sowie 60 NGOs.

Das Mantra von der „Sicherheit Israels als Staatsräson“

Statt wirksame Maßnahmen gegen die nach Ansicht zahlreicher Juristinnen und Juristen völkermörderische Politik der Regierung Netanjahu zu ergreifen, wird das Leid der palästinensischen und libanesischen Bevölkerung von der westlichen Wertegemeinschaft weitgehend ausgeblendet. Einseitige Berichterstattung unter dem Deckmantel von behaupteter Objektivität sowie das Mantra von der „Sicherheit Israels als Staatsräson“ werden genutzt, um sowohl eigene Interessen als auch die der Zionisten über Humanität und Menschenrechte zu stellen. Gleichzeitig unternimmt die Politik in Europa alles, um antizionistische Positionen zu delegitimieren. Selbst die jüdische antizionistische Bewegung – die eine lange Tradition hat und derzeit zunehmend an Bedeutung gewinnt – wird als antisemitisch gebrandmarkt.

Amnesty International hat einen Bericht unter dem Titel „Die Meinungsfreiheit ist hochgradig selektiv. Wie Österreich Solidarität mit Palästinenser*innen beschränkt“ veröffentlicht. Der Bericht analysiert die Aushebelung der Grundrechte von Versammlungs- und Meinungsfreiheit durch das offizielle Österreich zwischen Oktober 2023 und Oktober 2025 im Zusammenhang der Solidarität mit Palästina. Er dokumentiert die Zunahme des Rassismus, insbesondere des antimuslimischen und antipalästinensischen Rassismus, lässt Aktivist*innen und NGOs zu Wort kommen und macht vor allem eines: klagt die österreichischen Regierenden konkret des menschenrechtsfeindlichen Vorgehens an! Palästina Solidarität Österreich

Solidarität mit den Opfern der israelischen Politik im Nahen Osten zu zeigen und sich für ein freies Palästina einzusetzen, ist heute mehr denn je ein Gebot der Stunde. Dabei sollten wir nicht vergessen, unsere eigene Regierung daran zu erinnern, ihr Handeln an den von ihr behaupteten Prinzipien von Demokratie und Menschenrechten auszurichten.

Nachrichten und Informationen aus und über Palästina

Deutschsprachige Quellen
Occupied News: Medienkollektiv mit Nachrichten und Analysen.
Palästinakomitee Stuttgart: Informations- und Aktionsseite.
Palästina Solidarität Österreich: Vereine, Komitees und Initiativen.
The Palästine Portal: umfangreicher Informationsfundus zu Palästina (Archiv bis 27.05.2025).
Erster jüdischer Anti-Zionismus-Kongress in Wien 2025.
Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost – Für Gerechtigkeit und Gleichheit.

Quellen aus Israel und den USA
Haaretz: Israel News, the Middle East and the Jewish World.
+972 Magazine: Unabhängiger Journalismus von Israelis und Palästinensern.
Mondoweiss: US Medium mit jüdischer sowie palästinensischer Perspektive.
Institute for Middle East Understanding (IMEU).

Palestinian media
Middle East Eye: News and analysis portal focusing on the Middle East.
Palestine Chronicle: News and commentary on Palestine.
Electronic Intifada: Analysis and articles on Palestine.
WAFFA Palestine News Agency: Palestinian press agency.
Al-Quds: Palestinian daily newspaper based in Jerusalem.
Free Palestine TV: FPTV is based in the local community, relying on a team of volunteers

Fotoquelle

Foto 1: rquevenco: Stacheldraht, Jerusalem, Heiliges Land. Foto 2 und 3: hosnysalah: Palestinian photographer currently living in Palestine Gaza Strip. Alle drei Fotos sind unter Einhaltung der Pixabay-Inhaltslizenz kostenlos nutzbar.

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