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Wenn der Zahnarzt zweimal klingelt

Eine kleine Rückschau in Wort und Bild über die Feier zum 1. Geburtstag des „Wiener Bücherschmaus“.

Wer hat ihn mitgebracht, den Zahnarzt? Markus Diethart. Er eröffnet am Mittwoch die Lesereihe der AutorInnen, die den Bücherschmaus in seinem 1. Lebensjahr mit ihren Texten begleitet haben.

Gestalten von Lesezeichen und BleistiftenSchreibworkshop Zwetschke mit T-ShirtBereits am Nachmittag versenken sich die jungen TeilnehmerInnen mit Klebstoff, Papier und Stifte in die Künste des Schreibens, des Bleistift- und Lesezeichengestaltens.

Pünktlich zu den Geburtstagsfeierlichkeiten wird das Team mit den neuen Bücherschmaus-T-Shirts ausstaffiert. Auch das vierbeinige Mitglied, Zwetschke, kleidet das Dienstleiberl gar vorzüglich – danke an Michaela Engel von un-modern.

Buecherschmaus GeburtstagsauslageDas Buecherschmaus-Teambereitet das Buffet vor 1Das Buecherschmaus-Teambereitet das Buffet vor 2Vor dem kulinarischen Genuss muss die Grundlage des Genusses noch vorbereitet werden. Das Team schnippelt und streicht Brötchen, kredenzt Salzstangen und Chips, stellt Sekt und Wein kühl.

Und nun zum Abend.

Gong: 1. Runde und Eröffnung.

Markus DiethartDoris NussbaumerFamilie Karjakainen Draeer Markus Diethart lässt dieses Mal seinen Protagonisten Herrn Meisel, ja, aufmerksame LeserInnen erinnern sich, jener Herr Meisel mit dem Bohneneintopf und dem Rotwein aus „Der König des Selbstvertrauens“, einen der größten Menscheitsalpträume erleben: einen Besuch beim Zahnarzt, wo ihm auch erotische Vorstellungen von des Zahnarztes Frau nicht vor den Qualen bewahren, den ein im Zahnloch versinkender Bohrer verursacht. Ohne Betäubung. Man fühlt sich erinnert an den „Marathon-Mann“, jener Film mit Dustin Hofmann und der Wurzelbehandlung, Sie erinnern sich vielleicht … Stop! Wir schweifen ab. Zurück zu Literatur.

Doris Nußbaumers Ich-Erzählerin kann sich in einem Hotelzimmer nicht entscheiden zwischen zwei Feuerzeugen, die sie unter 17 Stück angeschneuzter Rotztücher in ihrer Handtasche findet. Und dann diese ZimmerbewohnerInnen über ihr! Deren mechanisches und wiewohl erotisch gemeintes „Ah, ah, ah!“ raubt ihr den letzten Nerv.

Danach lädt Reetta Karjalainen-Dräger zu einer Reise nach Finnland. Die Übersetzerin zweier Bücher von Frans Eemil Sillanpäa – dem einzigen finnischen Literaturnobelpreisträger – liest aus „Hiltu und Ragnar“ sowie „Frommes Elend“. Beide Werke zeigen Finnland abseits von Aki Kaurismäki und Arto Paasilinna.

Am Ende der 1. Runde erhält der Bücherschmaus ein ganz spezielles Text-Geschenk von Michael Karjalainen-Dräger. Neugierig geworden? Sie können das Präsent im Bücherschmaus nachlesen.

Pause. Das Wetter ist trocken, der Abend mild, der Oskar-Werner-Platz lädt zum Verweilen im Freien.

Publikum-3Publikum-1Publikum-4Vielleicht möchten Sie, werte Leserin, werter Leser, die Zeit nutzen, um ebenfalls kurz rauszugehen, eine Zigarette rauchen, am Bierchen nippen, bevor es in die zweite Runde geht.
Wir nutzen hier den Moment, um uns bei all jenen Menschen zu bedanken, die den „Wiener Bücherschmaus“ unterstützt haben und immer noch unterstützen.
Der Dank geht ans ehrenamtliche Team, an alle AutorInnen, Kuchenbäckerinnen, BlumenbotInnen, Bücher-, CDs- und DVDs-SpenderInnen, KundInnen, Lesungs- und WorkshopbesucherInnen, internen und externen Vortragenden.

Alle wieder da?

Es geht in die 2. Runde.

Birgit WeilgunyJuergen HeimlichPetra Oellinger und Gabriele VasakBirgit Weilguny, die Übersetzerin des Romanes – und Zeitdokumentes über den Spanischen Bürgerkrieg – „Die erinnerte Insel“, liest jene Passage, in der einem Schachspiel eine bedeutende Rolle zukommt.

Kaum in Spanien, schon besuchen die Bücherschmaus-Gäste gemeinsam mit Jürgen Heimlich den Wiener Zentralfriedhof, unternehmen eine Zeitreise in die 1930-Jahre und in einen ungeklärten Unfall, der sich vielleicht doch als Kriminalfall herausstellen wird?

Gabriele Vasak bringt eine Probe aus ihrem neuen Buch „Den Dritten das Brot“ zu Gehör. Übrigens, wenn Sie mehr hören möchten, am Montag, den 20. Juni um 19.00 Uhr haben Sie im Bücherschmaus die Gelegenheit dazu.

Pause. Das Wetter hält, der Abend ist mild, der Oskar-Werner-Platz lädt zum Verweilen im Freien. Das Publikum nutzt diese Gelegenheit.
Wir nutzen diese Gelegenheit ebenfalls: Mit mehr oder weniger sanftem Zwang nötigen wir das Publikum zum Eintrag in unser Gästebuch …

Ein bisschen legen wir etwas auf die zehn-Minuten-Pause drauf. Wir sind sowieso schon in Verzug. Werden die Gäste durchhalten?

Auf in die 3. Runde!

Eugen BartmerBarbara RiegerReza Algül mit Musikinstrument Die wird eröffnet von Eugen Bartmer. Sein lyrisches Ich bringt in einer Fast-Food-Kette Kinder in seine Fänge, um sie alsdann zu verzehren. Hernach geht’s zum Kaiserwasser, wo die ZuhörerInnen den mehr oder weniger tröstenden Worten lauschen, die ein Herrchen seinem Hündchen spendet, welches vor dem Klo wartet.

Barbara Rieger nimmt die Gäste mit in eine dunkle, unheimliche Welt: Stichworte: Züge und Verschwinden. Nein, es ist nicht Harry Potter …

Mit Reza Algül geht die vorletzte Lese-Runde ins Finale: mit einem Blitzlicht auf eine Lehre, die Gott ins Verhör nimmt – dem Alevismus.

Unser strenger Zeitplan gerät zunehmend aus den Fugen.
Jedoch: kein Murren, kein Knurren, kein Raunzen, kein Zeichen von Schwäche seitens der Gäste.

Bleiben Sie dran!

Pause. Der Abend senkt sich sanft über den Platz. Das Wetter hält, die Gäste sind vergnügt und kehren nach 10 Minuten wieder in den Bücherschmaus ein.

4. Runde und Finale.

Clementine SkorpilAlfred CiperaRene MertenGuenther ZaeunerClementine Skorpil führt dieses Mal – nein, nicht nach Shanghai zum guten Mohn, der Träume schenkt-, sondern in die „Hollerstraße 7“ in das zwischenkriegszeitliche Steyr.

Alfred Cipera bietet mit Anni, Hanni und Co. einen Einblick in das Vereinsleben von schwimmenden PensionistInnen, um danach einen „Gachen“ zu bekommen.

René Mertens Protagonist – ein echter König! – droht ebenfalls einen Gachen zu bekommen, weil dessen Tochter ihn mit einem gefinkelten Spiel beinahe in den Salzwahnsinn treibt.

Auch Günther Zäuner verursacht zu guter Letzt einen Gachen, vielmehr ist es ein Papagei, der bei GemeindebaubewohnerInnen eben diesen hervorruft – der Beginn eines skurrilen Krimis, der im Herbst das Licht der Welt erblicken wird.

Um 1 Uhr verlässt der letzte Gast die Buchhandlung. Der „Wiener Bücherschmaus“ schließt seine Tore, um sie bereits wenige Stunden später für Literaturfreunde und -freundinnen wieder zu öffnen.

Danke an alle, die dabei waren.

© Fotos 1, 2: Michael Karjalainen-Dräger
© Fotos 3 – 22: Wiener Bücherschmaus

Sie haben eine Frage oder Anregung? E-Mail an den Wiener Bücherschmaus
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4 Kommentare

  1. Wunderbare Zusammenfassung eines wundervollen Abends! Wohlfühlstimmung fern alltäglicher Verstrickungen mit nachhaltiger Wirkung auf das weitere Leben! Wie immer! Ein Besuch im Bücherschmaus lohnt sich allemal!

    • Petra Öllinger sagt

      Mit solchen Auswirkungen haben wir gar nicht gerechnet … :-). Vielen Dank für diese motivierenden Zeilen!

  2. Rita sagt

    Ganz ganz fein wars… ein fulminantes 1. Geburtstagsfest! Mögen noch viiiiiele weitere folgen. Ein Hoch dem Bücherschmaus und seinen BetreiberInnen (Vierpföter inklusive):-)

    • Petra Öllinger sagt

      Um es mit dem vierbeinigen Team-Mitglied zu sagen: „Wuff-Wuff.“*

      * „Herzlichen Dank.“

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