Exilliteratur
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Mela Hartwig (1893 – 1967)

… erinnert sich 1954 in einem Brief an Wilhelm Sternfeld: „Ich bin 1893 in Wien geboren und musste im März 1938 aus Österreich emigrieren, da mein Gatte Dr. Robert Spira, der Rechtsanwalt in Graz gewesen war, eine Reihe politischer Prozesse gegen prominente Nazis geführt hatte und von der Verfolgung der Nazis bedroht war. […] Außerdem sind wir beide Juden, überdies war ich […] wegen meiner Publikationen, […] in persönlicher Gefahr.“

1927 wird Mela Hartwigs Novelle „Das Verbrechen“ prämiert. Stefan Zweig vermittelt sie an den Paul Zsolnay Verlag. In der 1928 veröffentlichten Novellensammlung „Ekstasen“ schreibt sie über Frauen in Extremsituationen und scheut dabei auch nicht vor Tabuthemen wie Vergewaltigung, Abtreibung und Inzest zurück. Auch mit ihrem ersten, 1929 ebenfalls bei Zsolnay veröffentlichten Roman „Das Weib ist ein Nichts“ erregt sie einiges Aufsehen. Das Buch setzt sich in einer Form mit den herrschenden Geschlechterstereotypen und Machtverhältnissen auseinander, die bei vielen RezensentInnen auf Ablehnung stoßen.

Aufgrund der politischen Entwicklung und der damit einhergehenden Veränderungen der Lesegewohnheiten wird der Roman „Bin ich ein überflüssiger Mensch?“ im Zsolnay Verlag nicht mehr veröffentlicht.

1938 beginnen für das Ehepaar die schwierigen Jahre des Exils in England. Erst 1948 sehen sie die alte Heimat wieder und erkennen, im Nachkriegsösterreich nicht willkommen zu sein.

Nach langer literarischer Pause, in dieser Zeit widmet sie sich intensiv der Malerei, beginnt sie 1967 den Roman „Die andere Wirklichkeit“. Ihr Tod verhindert dessen Fertigstellung.

Buchcover Mela Hartwig Als der Literaturverlag Droschl den Roman „Bin ich ein überflüssiger Mensch?“ siebzig Jahre nach seiner Ablehnung durch den Zsolnay Verlag erstveröffentlicht, leitet er damit eine kleine Renaissance der Autorin ein.

Obwohl kurz darauf noch der Roman „Das Weib ist ein Nichts“ neu aufgelegt wird und ein Band mit Erzählungen und Novellen erscheint, wird es bald wieder recht still um die Autorin und ihr Werk.

Noch mehr Infos über Mela Hartwig finden Sie in einem Beitrag im Literaturblog „Duftender Doppelpunkt“ aus dem Jahre 2013.

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