Exilliteratur
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Albert Drach (1902 – 1995)

Exilliteratur – Teil 1

In der Erzählung „Lunz“ erinnert sich Albert Drach an die Bergung einer Wasserleiche und deren Wirkung auf ihn, den damals fünfjährigen Knaben: „Das Gesicht des Toten war übermäßig dick, die Nase fehlte, und auch an den Lippen waren Stücke angeblich von Karpfen abgefressen. In den Augenhöhlen schien überdies keine Pupille mehr zu stecken.“

Sein Vater lässt ihn anschließend wissen, dass Helden und Künstler Unsterblichkeit erlangen. Da er sich weder zum Feldherrn noch zum Maler oder Komponisten berufen fühlt, entscheidet er sich zwecks Erreichung der Unsterblichkeit für eine Zukunft als Schriftsteller. Nach der Matura entschließt er sich zum Studium der Rechtswissenschaften.

Trotz des wachsenden Antisemitismus und dem ab März 1938 geltenden Berufsverbotes für jüdische Anwälte emigriert er erst Ende 1938. Er reist über Jugoslawien nach Frankreich. Dort wird er mehrmals interniert, zuletzt im Sommer 1942. Die Deportation in ein Vernichtungslager vor Augen, legt er seinen Heimatschein vor und übersetzt die Abkürzung IKG auf dem Dokument nicht als Israelitische Kultusgemeinde, sondern mit „Im katholischen Glauben“. Nachdem er zusätzlich die mütterliche Abstammung mit Dokumenten seiner Halbschwester belegt, hat er nur mehr väterlicherseits jüdische Vorfahren. Am nächsten Tag darf er das Lager verlassen und kann sich bis zur Befreiung verstecken.

1948 kehrt er nach Österreich zurück und erkämpft 1955 die Restitution seiner Villa in Möding.

1964 wird er mit dem „Großen Protokoll gegen Zwetschkenbaum“ einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Der Roman zeigt, wie ein Mensch mittels Vorurteilen und daraus resultierenden Beschuldigungen zum Opfer gemacht wird.

Als Drach 1988 mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt wird und Marcel Reich-Ranicki dieses Ereignis als „Lauter Unglücke“ zusammenfasst, meint der Autor, wer einen solchen Plural bildet, könne nicht Deutsch und weiter: „Reich-Ranicki ist das einzige Unglück in Deutschland.“

Er stirbt am 27. 03 1995 im Alter von 92 Jahren in Mödling.

Sie interessieren sich für das Werk von Albert Drach? Das Team des Wiener Bücherschmaus freut sich auf Ihren Besuch in der Buchhandlung.

Das Foto der Gedenktafel für die deutschen und österreichischen Flüchtlinge am Fremdenverkehrsbüro von Sanary-sur-Mer steht unter einer CC BY-SA 3.0 Lizenz: Anima 21:00, 28 September 2007 (UTC) – Eigenes Werk

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